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In der Natur des Menschen

Fabio Kühnemuth
Fabio Kühnemuth

Im diesjährigen Programm beschäftigen sich einige Filme mit den Folgen des Klimawandels

In der Natur des Menschen

Immer wieder zeigt sich: Das drängende, ja lebensbedrohliche Thema Klimawandel ist ganz offenbar zu abstrakt für uns. Wissenschaftliche Aufsätze und Graphen mit Durchschnittstemperaturen sind – bei aller wissenschaftlichen Evidenz – leider nur bedingt geeignet, uns den Ernst der Lage eindringlich vor Augen zu führen. Die Dringlichkeit des Themas erschließt sich uns scheinbar erst dann, wenn es uns selbst oder unser näheres Umfeld betrifft – und wenn es in den meisten Fällen längst zu spät ist.

Doch genau hier kommt der Film ins Spiel. Denn egal ob durch den Blick eines genau beobachtenden Dokumentarfilms, durch die unvergleichliche Emotionalisierung eines Spielfilms oder aber mit den verfremdenden Mitteln eines Animations- bzw. Experimentalfilms: Durch seine schier endlosen Möglichkeiten birgt das Medium Film einzigartiges Potenzial für eine Bewusstseinsveränderung.

Auch vier Kurzfilme im Internationalen Wettbewerb des 41. Filmschoolfest beschäftigen sich auf unterschiedlichste Weise mit den Themenkomplexen Natur, Umwelt und Klima und wie der Mensch seine Umgebung beeinflusst. In der Aralkum, einer durch die Austrocknung des Aralsees entstandene Wüste nahe der Grenze zwischen Kasachstan und Usbekistan, haben sich die Bewohner:innen durch (wasser-)intensive Landwirtschaft ihre eigene Lebensgrundlage entzogen. Der gleichnamige HFF-Dokumentarfilm ARALKUM (Programm 3) aus der Hand von Mila Zhluktenko und Daniel Asadi Faezi zeichnet nach, wie die Menschen nach dem Verschwinden des Wassers und der Tiere mit einer lebensfeindlichen Umgebung konfrontiert sind. Ihr Leben ist durchzogen von einem Gefühl des Verlusts.

Empty Sphere Online1

THE EMPTY SPHERE

Black Hole Legion Online2

Black Hole Legion

Uninhabited Transitional Space Online1

Uninhabited Transitional Space

Auch auf der anderen Seite des Globus haben die Menschen mit Umweltverschmutzung zu kämpfen. Der Experimentalfilm BLACK HOLE LEGION von Ariel Sereni Brown und Jonathan Omer Mizrahi (ebenfalls Programm 3) gleicht einem visuellen Gedicht, erzählt und geschrieben von einer Gruppe junger Cybergoths aus Grönland. Die Protagonistinnen berichten vom Kampf gegen ihre Depressionen; wie viele Indigene in Grönland leiden die Inuit-Frauen unter den Folgen extremer Umweltverschmutzung, besonders unter der Verunreinigung des Trinkwassers, und der Marginalisierung ihrer Kultur durch die dänische Kolonialmacht und westliche Einflüsse.

Was passiert, nachdem die Menschen einen Ort unbewohnt bzw. unbewohnbar hinterlassen haben, illustriert Christian Leóns experimentelle Dokumentarfilm UNINHABITED TRANSITIONAL SPACE (Programm 5). Er untersucht die Vergänglichkeit der Zivilisation und wie sich die Natur, in einem ständigen Kreislauf aus Wachsen und Sterben, langsam aber stetig die erschlossenen Gebiete wieder aneignet. Denn weder der Mensch noch seine Errungenschaften sind für die Ewigkeit.

THE EMPTY SPHERE von Stéphanie Roland (Programm 4) indes zeigt, wie der Mensch noch den buchstäblich verlassensten Winkel der Erde für seine Zwecke, in diesem Fall die Entsorgung von Weltraumschrott, missbraucht. Denn weit unten im pazifischen Ozean, 2700 km vom nächsten Festland entfernt und 4 km tief, befindet sich ein Weltraumfriedhof. Ausgediente Satelliten werden gezielt über dem sogenannten Point Nemo zum Absturz gebracht. Der experimentelle Dokumentarfilm nähert sich zwischen Realität und Fiktion diesem entlegenen Ort an, von dem es bis heute keine Bilder gibt.

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