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Samstag, 14.11.2020

Meet the Filmmakers: CARMEN ASLEEP, CARMEN AWAKE

Interview mit dem Regisseur Antonio Llamas

Meet the Filmmakers: CARMEN ASLEEP, CARMEN AWAKE

Regisseur Antonio Llamas

Was ist dein liebstes Filmzitat?

Ich will zwei Zitate nennen, die mich sehr geprägt haben. Sie greifen etwas Flüchtiges und zugleich Starkes auf.

Eines davon taucht in GERRY (2002) von Gus Van Sant auf: "Yesterday I conquered Thebes", sagt Casey Affleck, der vor einem kleinen Lagerfeuer sitzt. Zu diesem Zeitpunkt haben sich er und ein anderer Typ komplett in der Wüste verirrt und Afflecks Charakter erinnert sich an ein Videospiel, das er am Abend zuvor noch gespielt hatte.

Das andere ist aus OSLO, 31. AUGUST (2011) von Joachim Trier: "I remember thinking: I will remember this." Es kommt am Anfang des Films vor, während nostalgische Bilder der Stadt zu sehen sind und eine Figur im Voiceover schmerzlich von flüchtigen Erinnerungen aus ihrer Jugend und Vergangenheit erzählt.

Beide Zitate passen sehr gut zu unserer Generation und spiegeln die aktuelle Lage, in der wir uns befinden, sehr einfühlsam wieder: die reine Nostalgie und die lähmende Machtlosigkeit, die man aufbrechen muss.

 

Für welchen Film würdest du gerne die Fortsetzung drehen?

DAS TURINER PFERD (2011) von Bela Tarr. Es wäre schön, sich auszumalen, was als nächstes passieren würde und spannend, welche Bilder da im Kopf entstehen. Außerdem würde ich gerne eine Fortsetzung für beinahe jeden Film drehen, in dem eine markante Hauptfigur stirbt oder es so aussieht, als würde sie bald sterben. Ich finde es sehr interessant, mir auszumalen, welche Auswirkungen es auf die (Film-)Welt hätte, wenn der/die Protagonist*in nicht mehr da wäre.

 

Was war bisher dein seltsamstes Filmfestivalerlebnis?

Auf dem Almería International Festival hatte ich einige seltsame Erlebnisse, weil wir ständig zu Cocktails, Parties und noch mehr Cocktails eingeladen wurden. Am Ende konnte man sich gar nicht mehr genau daran erinnern, wo man eigentlich war. Nach einer dieser besagten Cocktailpartys packten die Gastgeber uns alle in einen Bus, brachten uns ins Stadtzentrum und sagten dann, dass wir losgehen und ein bisschen Spaß haben sollen. Wir fühlten uns wie Kinder die nun Freizeit hatten. Als wir durch die Stadt spazierten, sahen und hörten wir in der Ferne ein paar Regisseur*innen, komplett alleine, unter einem metallenen Christbaumgerüst (aber ohne Baum) "Echo! Echo!" schreien. Es war wie eine Desillusion. Es stellte genau dar, was Filmemachen ausmacht, "Echo!" an einem Ort zu rufen, an dem es kein Echo geben kann.

 

Eine neue TV-Serie über das Filmstudium braucht einen Titel – welchen würdest du wählen?

"Why?".

 

Wenn du kein Filmemacher wärst, was wärst du dann?

Irgendetwas Handwerkliches, vielleicht würde ich mit Holz oder Keramik arbeiten, Stühle und Türen bauen.

 

Mit welcher Person aus dem Filmgeschäft würdest du gerne mal ein Bier trinken gehen?

Mit Pedro Cost, obwohl er eigentlich nicht Teil der Filmindustrie ist. Ich denke, es wäre vielleicht ein etwas stilles, vielleicht auch düsteres Date, aber es wäre sicher sehr interessant.

 

Was war der erste Film, den du im Kino gesehen hast?

Seit Tagen versuche ich mich an den Namen des Films zu erinnern, aber ich weiß es einfach nicht mehr. Ich glaube, es war X-MEN 2 (2003). Woran ich mich aber erinnern kann, ist, dass mein Vater den Film unbedingt sehen wollte, dann aber während des Films einfach aufstand und uns sagte, dass wir das Kino jetzt verlassen sollten. Ich bin mir nicht sicher, ob das der erste Film war, den ich im Kino gesehen habe, aber das ist meine erste Erinnerung ans Kino.

Eine andere erste Erinnerung ist die an ROAD TO PERDITION (2002): Danach verließ ich das Kino sehr überrascht und unruhig.

 

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CARMEN ASLEEP, CARMEN AWAKE

Filmschule: ECAM - Escuela de Cinematografía y del Audiovisual de la Comunidad de Madrid