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Bye bye, Greenscreen?

Tobias Obermeier
Tobias Obermeier

Neue LED-Studios vereinfachen die Abläufe bei Filmproduktionen radikal. Das Panel „Let’s Talk About Digital Production“ spürt den Veränderungen nach

Bye bye, Greenscreen?

Alex Forge/NETFLIX

 

Wie groß war die Faszination 1993, als JURASSIC PARK in die Kinos kam und riesige, nahezu fotorealistische Dinosaurier über die Leinwand liefen. Bis dahin war so etwas nicht vorstellbar. Erstmals wurden Kreaturen in einem Realfilm völlig computeranimiert dargestellt. Eine aufwendige 3D-Modellierung in der Postproduktion machte es möglich.

Was damals eine Sensation war, gehört knapp 30 Jahre später zum Standardverfahren bei Filmen. Kaum ein großer Blockbuster kommt noch ohne digitale Nachbearbeitung aus. Eine Untersuchung der deutschen Produktionsfirma RenderThat ergab, dass 2018 229% mehr Filme mit Computer-Generated-Imagery (CGI) produziert wurden als noch 2008.

Eine langwierige Postproduktion könnte aber bald Geschichte sein. Neue Studios mit großen, gebogenen LED-Wänden sorgen für eine kleine Revolution in der Filmproduktion: Wo bisher Greenscreens benötigt wurden, werden virtuelle Welten mittels leistungsstarker Game Engines bereits während des Drehs in Echtzeit erzeugt und nicht erst in der Postproduktion in die Aufnahmen eingefügt. Im Panel „Let’s Talk About Digital Production“, das am Donnerstag um 9:30 Uhr im AudimaxX der HFF München stattfindet, wird diese neue Technik genauer unter die Lupe genommen. Michael Coldewey, Professor für VFX und Animation an der HFF München, führt zunächst in einer Keynote in das Thema „Digital Production“ ein, bevor zwei LED-Studios näher vorgestellt werden.

Im Juli 2021 eröffnete in Babelsberg mit dem Dark Bay Virtual Production Studio eines der größten LED-Studios Europas. Auf einer 55 Meter langen und sieben Meter hohen LED-Wand können virtuelle Welten jeglicher Art dargestellt werden. Momentan wird dort die komplette erste Staffel der neuen Netflix-Mystery-Serie 1899 produziert, die von dem erfolgreichen Showrunner-Duo Jantje Friese und Baran bo Odar (DARK) entwickelt wurde. Christina Casper, Managing Director bei Dark Bay, berichtet im Panel über die neuen technischen Möglichkeiten in Babelsberg.

Auch in den Bavaria Studios südlich von München wird gerade ein LED-Studio gebaut. Dahinter steckt das Konsortium BaViPro, bestehend aus den Firmen ARRI, Eyeline Studios und Bavaria Studios. Wie in Babelsberg sollen auch hier ab Mitte 2022 Filme und Serien vor virtuellen Kulissen produziert werden. Markus Zeiler, Executive Board Member bei ARRI, stellt das Projekt im Rahmen des Panels vor.

Egal in welchem LED-Studio gedreht wird, die Technik verändert die Produktionsabläufe an entscheidenden Stellen. Die vormalige Postproduktion ist sozusagen bereits im Dreh integriert. Darsteller:innen müssen sich die Filmkulisse nicht mehr vor einem Greenscreen vorstellen, sie spielen mitten in ihr. Und die Regie sieht das gesamte Bild bereits am Set. Kurzfristige Änderungen in der Gestaltung sind auch einfacher umzusetzen. Dank aufwendiger Messtechnik kann sich die Kamera frei bewegen. Der Hintergrund auf der LED-Wand bewegt sich perspektivisch immer richtig mit.

Solche technischen Entwicklungen müssen natürlich auch an den Filmhochschulen rechtzeitig aufgegriffen werden, um den Studierenden das nötige Know-How für das spätere Berufsleben mitgeben zu können. Dr.-Ing. Peter Slansky, Professor für Technik an der HFF München, gibt in einer Präsentationen Einblick in die technische Ausbildung an der Hochschule und zeigt, wohin sich diese in Zukunft bewegen wird.

Eine der spannenden Fragen im Zusammenhang mit virtueller Filmproduktion wird sein, inwiefern LED-Studios dazu beitragen, Filme zukünftig emissionsfrei produzieren zu können. Ein Großteil der CO2-Emissionen fällt bei der Produktion durch den Transport an. Sind aufwändige Filmcrew-Reisen um die ganze Welt passé, wenn jegliche Welten auf einfachem Wege im Studio simuliert werden können? Ein Thema, das auch für den Climate Day am Freitag interessant ist, der in Zusammenarbeit mit der Nagelschneider Stiftung stattfindet. Neben einem Panel zu Klimaschutz gibt die Produzentin Judith Niemeyer den Workshop „Green Producing Today and in the Future“.

 

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