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Donnerstag, 22.10.2020

FILMSCHOOLFEST MUNICH 39 ½ - Filme und Festival-Jury

Beim FILMSCHOOLFEST MUNICH 39 ½ präsentieren Studierende von Filmschulen aus 22 Ländern ihre Werke im internationalen Wettbewerb. Vom 12. bis 22. November 2020 wird die Website www.filmschoolfest-munich.de zur digitalen Bühne für 50 vielfältige und herausragende Kurzfilme aus aller Welt. Die Jurypräsidentschaft übernimmt die Regisseurin Julia von Heinz.

 

Das FILMSCHOOLFEST MUNICH findet in diesem Jahr vom 12. bis 22. November 2020 als rein digitales Festival statt. 50 Filme von 35 Filmhochschulen aus 22 Ländern - 23 Spielfilme, 18 Dokumentarfilme, sieben Animations- und zwei Experimentalfilme - werden im Festivalzeitraum zu sehen sein. Das heißt für alle Zuschauer*innen, sich bequem von zuhause und rund um die Uhr in fremde und neue Welten entführen lassen zu können!

Die Filme stammen von Filmschulen aus Argentinien, Australien, Belgien, Bosnien und Herzegowina, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Indien, Iran, Kanada, Kolumbien, Myanmar, Niederlande, Österreich, Polen, Russland, Slowakei, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn und den USA, nehmen die Zuschauer*innen aber auch mit nach u.a. China und Indonesien. So breit wie das geografische Spektrum ist, so facettenreich sind dabei auch die Themen und gestalterischen Ansätze, die in den kurzen Filmen zu entdecken sind.

Die Jurypräsidentschaft übernimmt in diesem Jahr die Regisseurin Julia von Heinz, deren aktueller Film „Und morgen die ganze Welt“ kürzlich seine Premiere in Venedig feierte, die Hofer Filmtage eröffnete und am 29. Oktober seinen bundesweiten Kinostart haben wird. Gemeinsam mit vier weiteren Jurymitgliedern, der ungarischen Filmemacherin und letztjährigen Gewinnerin des VFF Young Talent Awards Hajni Kis, der indischen Filmkritikerin Bedatri Datta Choudhury, den Filmkuratorinnen Emma Boa aus Schottland und Faridah Gbadamosi aus den USA, entscheidet sie über eine Vielzahl der mit insgesamt 35.000 Euro dotierten Awards im internationalen Wettbewerb.

 

ZUM FILMPROGRAMM
Ausführliche Informationen zu allen Filmen finden Sie hier.

 

INTERNATIONALER WETTBEWERB
Sexualität & queeres Selbstbewusstsein
Eine Vielzahl der Filme im Programm scheint sich in einem Punkt einig zu sein: Überholte Normen zu Geschlecht und Sexualität müssen beseitigt werden. So lässt She Wants What She Wantsvier Frauen von jung bis alt über gesellschaftliche Erwartungen und ihre eigene Sexualität sprechen. Der Animationsfilm My Fat Arse And Ithematisiert auf schräg-fantasievolle Weise den allgegenwärtigen Schönheitswahn. Um alte Denkmuster zu durchbrechen, bedarf es ebenso neuer, queerer Erzählungen. Dabei blicken manche Filme mehr oder weniger weit in die Vergangenheit zurück. Frog Catchererzählt die wahre Geschichte des transsexuellen Froschfängers Jeanne Bonnet, der im 19. Jahrhundert als Außenseiter in San Francisco lebte und ein tragisches Ende fand. Im bewusst übertrieben glitzernd-pinken Antik-Film Elagabalusverliebt sich ein ausschweifend lebender Kaiser in einen römischen Wagenlenker. Der Protagonist in Driftingkämpft mit seiner Identität als biologischer Mann, da er während der Ein-Kind-Politik in China von seinen Eltern als Mädchen erzogen wurde. Feminine Hip-Hopgewährt einen Einblick in die queere Hip-Hop-Kultur Montreals. Wie massiv Politik das Leben queerer Menschen beeinflusst, veranschaulicht der Dokumentarfilm The Dragon With Two Heads, in dem der Regisseur die gemeinsame Flucht mit seinem Zwillingsbruder aus dem zunehmend homophoben Brasilien nach Europa thematisiert. Queerness kann aber auch als Normalität angesehen werden, die nicht näher thematisiert werden muss. So im Film Kid, in dem ein homosexueller End-Zwanziger erkennt, dass seine Freunde im Erwachsenenleben angekommen sind, nur er nicht. In L’homme Jetéehingegen fühlt sich ein Dockarbeiter zu einem Seemann und dessen hartem Leben auf einem Frachter hingezogen.

Gesellschaftspolitische Realitäten
Aber auch jenseits von Themen zur Geschlechteridentität werfen die Filme im diesjährigen Programm einen scharfen Blick auf gesellschaftspolitische Realitäten. Armut ist dabei ein zentrales Thema. InGold Platedsind es die Klassengegensätze zwischen arm und reich, die zwei Jugendliche nicht zusammenkommen lassen. Der Dokumentarfilm Silver Fireflyporträtiert Menschen in Buenos Aires, die ausgeschlossen von der Gesellschaft an einer Flussmündung ihr Dasein in Holzverschlägen fristen. Wie politisch das Private sein kann, zeigen zwei Filme im Programm. In The Verdict In The Case Of K.kämpft eine Familie nach einem Gerichtsurteil über einen sexuellen Übergriff mit den moralischen Erwartungen ihres Umfelds. Neither Forgive Nor Forgeterzählt von einer Studentin, die zu ihrer Familie heimkehrt und auch nach zehn Jahren den Mord an ihrem Bruder durch Faschisten weder vergessen noch vergeben kann. Auch der Blick nach Asien zeigt dieses Jahr ein sehr wachsames Kino. Faces spürt in Interviews mit jungen Frauen dem gesellschaftlichen Zwang zur Schönheitsoperation in China nach. In The Father I Knewergründet eine Tochter zusammen mit ihrer Familie den letzten Aufenthaltsort ihres Vaters, der 1988 in Myanmar während eines Volksaufstands untertauchen musste und spurlos verschwand. Ebenfalls in Myanmar ist das Singer-Song-Writer-Duo Angry Folks unterwegs, das mit ihren Protestliedern Fabrikarbeiter*innen bei ihren Streiks unterhält und motiviert.

Die Herkunft im Fokus
Einige der jungen Filmemacher*innen leben und studieren zwar in anderen Ländern, mit ihren Filmen kehren sie aber wieder zurück in ihr Herkunftsland. Auch wenn es nur gedanklich ist, wie im dokumentarischen Essay-Film Gone Home, in dem Mutter und Tochter ihren Erinnerungen an das Haus der Großmutter im Iran nachspüren. Zurück nach Indonesien geht es für den Regisseur von Filipiñana, der mit einer skurrilen Szenerie auf einem Golfplatz ein Miniaturbild der patriarchalen, indonesischen Gesellschaft entwirft. In Heading Southtrifft mongolisches Steppenleben auf die chinesische Moderne der Großstadt. All Movements Should Kill the Winduntersucht schließlich in experimentellen Bildern die staubtrockene Arbeit in einem chinesischen Steinbruch.

 

CLIMATE CLIPS (Sonderwettbewerb)
Neben dem internationalen Wettbewerb gibt es auch in diesem Jahr wieder den Sonderwettbewerb „Climate Clips Award“ (dotiert mit insgesamt 9.000 Euro) zum Thema Klimawandel. Im Programm sind die zehn besten Clips aus den Einreichungen zu sehen, die um die ersten drei Plätze und einen Publikumspreis konkurrieren.

HFF SPECIALS (out of competition)
Zusätzlich zu den Filmen im Wettbewerb werden im Festivalzeitraum wieder ausgewählte Produktionen der Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF) gezeigt: fünf Filme sind im HFF SPECIALzu sehen, sechs weitere Produktionen im Sonderprogramm HFF SPECIAL: CLOSE UP WASHINGTON.

 


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Tickets
Die Filme (OmeU, ggf. engl. OV; FSK 18) können im Einzelabruf (0,99 Euro) oder in kuratierten 5er-Blöcken (3,99 Euro) angesehen werden. Für das gesamte Programm kann auch ein Festival-Pass (12,99 Euro) erworben werden. Jedem Film folgt ein Q&A mit den Filmemacher*innen. Der Festival-Pass ist ab dem 7. November erhältlich, Tickets für Einzelabrufe und Programmblöcke ab dem 12. November. Das Streaming ist vom 12. bis 22. November 2020 und weltweit möglich. Weitere Informationen zu Tickets & rund ums Streaming finden Sie hier.