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Samstag, 14.11.2020

Der Drang zur Perfektion

Vier Filme über das weibliche Körperbild

Der Drang zur Perfektion

Was zeigt mein Spiegelbild?

Der Film, genau wie andere Medien, prägt das gesellschaftliche (Körper-)Bild der Frau. Der Charakter der Frau variiert, aber egal ob Femme Fatale oder Prinzessin, eines bleibt: Die Schönheitsideale unserer Zeit. Vier Filme in unserem Programm beschäftigen sich mit dem Körper der Frau und hinterfragen eben jene Ideale.

Im Animationsfilm MY FAT ARSE AND I von Yelyzaveta Pysmak betrachtet sich eine Frau im Spiegel. Dieser Blick auf das eigene Antlitz kann für Frauen eine Qual sein: Hier ist der Körper nicht perfekt, da ist ein Gramm zu viel. Also magert sie sich ab und wird daraufhin nach „Slimbuttlandia“ eingeladen. Eine große Ehre – bis sie feststellt, dass hier all die dürren Hintern auf langen Beinen Sklavinnen der übermächtigen Waage sind. Teilweise in Computerspielästhetik, teilweise mit popkulturellen Elementen, aber auf jeden Fall mit viel Gelb wird der Weg einer Frau illustriert, die zu einem gesunden Selbstbewusstsein findet und die Verunsicherung durch gesellschaftliche Schönheitsvorstellungen hinter sich lässt.

Mehr wie ein filmisches Gemälde wirkt PORTRAIT OF A WOMAN von Natalia Durszewicz. Der Animationsfilm interpretiert ein Gedicht der Nobelpreisträgerin Wisława Szymborska und beleuchtet einen anderen Aspekt weiblicher Schönheitsideale. In diesem Kurzfilm blickt nämlich nicht nur die Frau durch die eigenen Augen auf ihren Körper, sondern tausende andere Augen auch. Fremde Augen, die sich in ihrem Kopf festgesetzt haben, Vorstellungen von anderen, die sie zu ihren eigenen macht. Das führt zu Widersprüchen, die es ihr unmöglich machen, alle Ideale zu erfüllen: Frauen seien schwach, aber sollten dennoch alles auf sich nehmen; Frauen seien naiv, gäben aber die besten Ratschläge. Auch von „Veränderung, damit sich nichts verändert“ ist die Rede – Altern ist keine Option, also müssen um jeden Preis die Jugend erhalten und die Falten aufgehalten werden.

 

Frauenbild

Die Ansichten und Erwartungen der anderen vermischen sich mit den eigenen. Das geht natürlich nicht nur Frauen so, aber gerade was das Äußere angeht, sind sie besonders betroffen. Die einen hungern sich zum scheinbar perfekten Körper, andere schminken jede unperfekte Stelle weg. Und wenn das nicht mehr reicht, können nur noch Schönheitschirurg*innen helfen.

Wie in FACES von Paul Vincent de Lestrade. In dem Dokumentarfilm sprechen chinesische Frauen über die Schönheitsoperationen, denen sie sich unterziehen oder unterzogen haben, so zeigt er die konkreten Auswirkungen des Schönheitswahnsinns. Aber nicht erst im hohen Alter lassen sich die Frauen operieren, sondern bereits in jungen Jahren, um selbst in der „Blüte der Jugend“ möglichst perfekt zu sein. Vor allem die Gesichter sind dabei ein Thema – Augen sollen größer wirken, Nasen schmaler. Wozu das Ganze? Eine Frau spricht darüber, dass sie möchte, dass ihr Sohn sie stolz als seine Mutter vorstellt und meint, das durch Schönheit erreichen zu können. Eine andere berichtet, dass sie immer wieder neue Fehler findet, die es zu korrigieren gibt. Perfektion gibt es beim Körper eben nicht.

Diese Erkenntnis prägt das Körperbild vieler Frauen. Wie sich Komplexe und Unsicherheiten auf das Sexualleben auswirken, zeigt der Dokumentarfilm SHE WANTS WHAT SHE WANTS. Die Regisseurin Quynh Le Nguyen geht der weiblichen Sexualität nach: Frauen aus verschiedenen Generationen berichten von Körperscham beim Sex, fehlender Aufklärung und der Unfähigkeit, beim Partner einzufordern, was sie im Bett wollen. Doch der Film zeigt auch, dass all das nicht sein muss. Die Protagonistinnen schreien in die Kamera, zeigen uns den Mittelfinger und legen selbst Hand an. Frauen wissen schließlich selbst am besten, wie ihr Körper funktioniert und eben auch, was sie brauchen.

Maike Müller