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Montag, 30.11.2020

Es war uns ein Fest

Rückblick auf das FSF 39 ½

Es war uns ein Fest

Der Dreh fürs Opening war ein großer Erfolg!

Donnerstagmorgen, 29.10.2020. Das Wetter: 5°C, leichter Wind und ordentlich Regen. Die Voraussetzungen für einen Dreh unter freiem Himmel könnten nicht besser sein. Wochenlange Planungen gingen voraus, um an dem Tag alle Aufnahmen für das Opening der digitalen Ausgabe des FILMSCHOOLFEST MUNICH zu drehen. Eine Entscheidung musste her: Trotz schlechtem Wetter drehen und sich den Hintern abfrieren, oder den Dreh in der Hoffnung, dass das Wetter besser ist, auf Samstag verschieben? Wir entschieden uns für Samstag und wurden nicht enttäuscht. Bei bestem Wetter mit Sonnenschein und strahlend blauem Himmel versammelte sich das Festivalteam mit goldenen Luftballons und selbstgenähten Atemschutzmasken am Odeonsplatz, um vor der Kamera die Eröffnung des Festivals zu feiern.

Danach zogen wir weiter in den nahegelegenen Hofgarten, um Anmoderationen aufzunehmen. Wir wollten die Eröffnung für ein Online-Publikum möglichst attraktiv gestalten und haben uns daher entschieden, das Ganze im Stil einer TV-Sendung mit unterschiedlichen Beiträgen zur Geschichte des Festivals, der Jury oder zu Filmschwerpunkten zu produzieren. Und das hieß, viele verschiedene Anmoderationen mehrmals drehen, - so lange, bis es eben passte. Nachdem wir an den Stufen der Bavaria-Statue nochmals als gesamtes Team Willkommensgrüße in die Kamera riefen, ging es für einige ins Büro, um die Aufnahmen für unser mehr oder weniger fiktives Ende des Openings zu drehen. Aus Festivalmacher*innen wurden kurzerhand Schauspieler*innen.

Knapp zwei Wochen später, am 12.11.2020, war es soweit und das FILMSCHOOLFEST MUNICH 39 ½ wurde als digitales Festival nach monatelangen Vorbereitungen eröffnet. Um 20:15 Uhr wurde das Opening auf unserer Website online gestellt. Eine halbe Stunde später das gesamte Filmprogramm. Diesmal gab es kein Buffet, kein Freibier und keine feiernden, tanzenden Student*innen im Foyer der HFF München. Dafür trafen wir uns mit den Filmemacher*innen im Anschluss an die Übertragung in einem Videocall. Man kann sich schließlich auch über die Webcam zuprosten. Und dann ist es egal, ob es in den USA Nachmittag, bei uns Abend oder in Indien mitten in der Nacht ist.

 

 

Statt in der Lounge im Filmmuseum, wo wir sonst mit den Zuschauer*innen und Student*innen in Kontakt kommen, saßen wir zu Hause oder im Büro, während auf der ganzen Welt Menschen die Filme streamten. Es war ein entrücktes Gefühl, vor allem, da wir die Inhalte bereits vorproduziert hatten. So war es neben den Q&A-Videos, die die Regisseur*innen selbst aufnahmen und uns zuschickten, auch mit den Rahmenveranstaltungen. Da das Münchner Seriencamp zur selben Zeit ebenfalls online stattfand, lag es auf der Hand, gemeinsam etwas zu machen. Die Idee war ein Talk, der auf beiden Festivals gezeigt werden kann. Gerhard Maier, künstlerischer Leiter des Seriencamps, erzählte uns in einem Gespräch, dass seiner Erfahrung nach Serienmacher*innen während ihres Studiums an der Filmhochschule relativ wenig bis gar nichts im Bereich des seriellen Erzählens vermittelt bekämen. Dem wollten wir nachgehen und haben zusammen mit vier Studierenden, die bereits an eigenen Serienideen arbeiten, einen Online-Talk veranstaltet, um darüber zu sprechen. Die Erkenntnis deckt sich mit Gerhards Eindrücken. Bei keiner Hochschule der vier Teilnehmenden gibt es im Lehrplan Angebote zum seriellen Erzählen. Angesichts des seit Jahren boomenden Serienmarkts, sollte sich hier langsam etwas ändern. Das sehen auch die vier Studierenden so.

Während unserer Vorbereitungen blickten wir immer wieder mit Sorge nach Budapest. Die Leitung der Universität für Theater- und Filmkunst (SZFE) wurde von einer Stiftung übernommen, die der rechtsnationalen Regierung Viktor Orbáns nahesteht. Damit verlor die Universität de facto ihre Autonomie. Sie wurde daraufhin von Studierenden, Lehrkräften und anderen Mitarbeiter*innen besetzt. Uns war klar, dass wir als Festival der Filmhochschulen unsere Solidarität mit den Besetzer*innen ausdrücken müssen. Zumal wir mit der Hochschule eng verbunden sind, die SZFE-Absolventin Hajni Kis in unserer diesjährigen Jury saß und letztes Jahr den VFF Young Talents Award gewonnen hatte. Über sie stellten wir den Kontakt nach Budapest her, um einen Online-Talk über die Situation zu organisieren. Anna Lengyel, Regisseurin und Dozentin an der SZFE, und die Filmstudentin Dorka Vermes waren Teil der Besetzer*innen und sagten für ein Gespräch zu. Die Moderation übernahm die Journalistin Susanne Burg, die das Gespräch gleich nutzte, um in ihrer Sendung bei Deutschlandfunk Kultur über die Lage in Budapest zu berichten. Wenige Tage vor dem eigentlichen Termin, verkündete die ungarische Regierung einen radikalen Lockdown mit Ausgangsbeschränkungen - die Aufzeichnung platzte. Anna Lengyel musste sich um ihre Theaterpremiere kümmern, die nicht stattfinden konnte. Und Dorka Vermes um das weitere Vorgehen bezüglich der Hochschul-Besetzung, die aufgrund des Infektionsschutzes dann vorerst beendet wurde. Wir verschoben das Gespräch, konnten es aber am Tag der Eröffnung nachholen und mit etwas Verzögerung online stellen. Letztendlich kam uns die Verschiebung des Gesprächs zugute, da wir auf die aktuellen Entwicklungen vor Ort, wie die vorläufige Beendigung der Besetzung, eingehen konnten.

 

 

Für uns war das Online-Festival in diesem Jahr ein Notfall-Programm. Nichtsdestotrotz versuchten wir, den Austausch unter der Student*innen im digitalen Raum und auf die Ferne zu ermöglichen.

Neben kleinen Welcome-Packages mit handgeschriebenen Postkarten, die wir in die ganze Welt hinaus sendeten, veranstalteten wir Watchpartys und Diskussionsrunden über eine private Facebookgruppe, zu denen sich unsere Gäste aus Europa, Asien, Australien und Süd- und Nordamerika zuschalteten. Beides mag nur ein kleiner Ersatz gewesen sein für ein reales Zusammenkommen vor Ort in München, aber der Austausch unter den Studierenden und ihre positiven Rückmeldungen haben uns erfreulicherweise gezeigt, dass sich auch mit wenigen Mitteln und über tausende Kilometer hinweg ein Gefühl von Gastfreundschaft erzeugen lässt.

Und selbst einige der schönsten Momente eines Filmfestivals lassen sich auch über diese große Distanz hinweg erleben - die Reaktionen der Gewinner*innen bei der Bekanntgabe der Preise. Der Überraschungseffekt funktioniert auch online. In Videomeetings, die wir unter falschem Vorwand organisierten, konnten wir die Studierenden mehr oder weniger mit ihrem Preisgewinn überrumpeln und so für erstaunte Gesichter sorgen. Die Preisverleihung haben wir analog zum Opening vorproduziert, um sie für das Publikum möglichst attraktiv zu gestalten. Auch hier gab es im Anschluss eine kleine Abschlussfeier mit den Studierenden, die es sich wieder nicht nehmen ließen, zu jeder Tages- und Nachtzeit in unser Online-Meeting zu kommen und sich über die Filme auf dem Festival zu unterhalten.

Nach 10 Festivaltagen und 10 vergebenen Preisen können wir in jedem Fall sagen: Vielen Dank an die insgesamt 73 Regisseur*innen, die mit ihren großartigen Filmen die Festivalausgabe zu etwas sehr Besonderem gemacht haben. Vielen Dank an die Preisstifter, die den Filmnachwuchs auch in diesem schwierigen Jahr mit einem Preisgeld von 35.000€ unterstützten. Und vielen Dank an unser Publikum, das dieses Jahr leider nicht ins Filmmuseum München kommen, aber dafür weltweit und von zuhause aus die besten Studierendenfilme anschauen konnte.

Das FILMSCHOOLFEST MUNICH begibt sich hiermit in den Winterschlaf und meldet sich nächstes Jahr wieder zurück. Denn dann steht das 40. Jubiläum an. Bis dahin - bleibt gesund!