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Donnerstag, 12.11.2020

Natürlich gut

Die Climate Clips 2020 thematisieren Umweltschutz auf verschiedene Weisen

Natürlich gut

Junge Klimakativist*innen bei einer Demonstration

„Hat denn das niemand kommen sehen?“ fragt Nikita verzweifelt in die Kamera. Sie sitzt im Jahr 2100 in einem Schutzbunker in Niederbayern, abgeschnitten von der Welt. Alles was sie noch hat, ist das alte Handy ihrer Großmutter, worauf Bilder und Filme von Wäldern, Bächen und Schnee gespeichert sind. Die sind aus Omas Kindheit, so von 2020.

Der kurze Spot 2100 zeigt eine mögliche Zukunft, auf die wir uns schon zubewegen. Er ist Teil der diesjährigen Auswahl der Climate Clips, die auf dem FILMSCHOOLFEST MUNICH 39 ½ präsentiert werden. Seit 2008 verleiht die Stiftung Nagelschneider im Rahmen unseres Studentenfilmfestivals Preise an die drei besten Climate Clips, die eingesendet werden. Erstmals können dieses Jahr auch die Zuschauer*innen unter den zehn teilnehmenden Spots einen Publikumspreis vergeben.

Seit 2008 hat sich viel verändert im Bereich der Umweltbewegungen. Es gab schon immer sehr aktive Gruppen, aber seit Jugendliche „Fridays for Future“ ins Leben gerufen haben, hat sich die Dynamik der Diskussionen durchaus gewandelt. In A WORLD TO WIN kommen Aktivist*innen von „Fridays for Future“ und „Extinction Rebellion“ zu Wort und erklären, dass man sich nicht mehr zurücklehnen und hoffen könne, dass sich alles von alleine regelt. Sie gehen auf die Straße für eine bessere Zukunft. Eine, in der Nikita nicht allein in einem Bunker sitzen müsste.

Viele der diesjährigen Beiträge beschäftigen sich mit Wasserknappheit und -verschmutzung. In DON’T WORRY und SAFE WATER haben Leute Spaß beim Baden: Sie feiern auf einem Boot oder springen vom Turm im Freibad. Doch welche Gefahren lauern in diesen unbeschwerten Momenten, wenn die Verschmutzung so weitergeht und das saubere Wasser langsam ausgeht? Die Spots RELICS und BY THE LIT(T)ER – BELOW THE SURFACE begleiten Taucher bei ihren Ausflügen. Während in RELICS ein Taucher in einer animierten Traumwelt schwimmt, sammelt Matthias Ardizzon bei seinen Tauchgängen in Schweizer Seen Müll ein. Denn man müsse im Kleinen anfangen, um eine wahre Veränderung herbeiführen zu können.

 

 

Die Natur in die Stadt oder die Stadt in die Natur holen CHAINS - EXPERIMENTAL SMARTPHONE FILM und ECOSIA - WEIRD SEARCH REQUESTS. Während der erste Clip Bilder aus dem städtischen Leben mit all seinem Lärm in die Natur reinprojiziert und somit beide Welten kontrastiert, nutzt die Suchmaschine Ecosia die Werbeeinnahmen durch Suchanfragen, um Bäume zu pflanzen – egal wo gesucht wurde, in der U-Bahn oder in einem Bürogebäude. Natur und eine industrialisierte Zivilisation als Einheit, kann das überhaupt funktionieren?

Man kann den düsteren Aussichten der globalen Erwärmung auch direkt mit Humor begegnen. In THE CARFUCKERS verhöhnen Prostituierte einen Freier, der sie im Auto mitnehmen will. Radfahrer sind ihnen da sehr viel lieber. GEO-ENGINEERING/PROTECT blickt wie 2100 in unsere Zukunft. In einer Welt, die fast nur noch aus Wüsten besteht, werden Roboter eingesetzt, um die wenigen Oasen mit sauberem Wasser zu schützen. Den kleinen Roboter dabei zu beobachten, wie er den Sand immer wieder zurückdrängt und dabei fast selbst von ihm begraben wird, löst echtes Mitgefühl für die hilfreiche Maschine aus. In einem Voice-Over werden die Wüsten als Feinde beschrieben, die wütend auf die Welt sind und sie deshalb zerstören wollen. Doch ist es nicht Zeit, dass wir uns selbst als Gegenspieler der Natur verstehen, der umdenken muss, um das zu schützen, was unsere Welt am Leben erhält?​

Barbara Oswald