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Mittwoch, 18.11.2020

Ist Arbeit alles?

Fünf Filme befassen sich mit Themen aus der Arbeitswelt

Ist Arbeit alles?

Manche Jobs sind lebensgefährlich!

Nichts taktet unseren Alltag und bestimmt unser Leben so sehr wie die Arbeit, die wir verrichten. Dabei kann im Filmprogramm die Perspektive darauf kaum unterschiedlicher ausfallen. Die einen verwirklichen sich in ihrer Arbeit und verstehen sie als Teil ihrer Persönlichkeit. Die anderen haben gar nicht erst eine oder sie ist einfach nur eine Form der Ausbeutung und eine nervige Notwendigkeit, der es zu entkommen gilt.

Letzteres denkt sich zumindest der Betriebsingenieur Ivan in LIVING IT UP. Mit einem findigen Einfall und einer ordentlichen Portion Opferbereitschaft findet er einen Weg, sich krankschreiben zu lassen und dem täglichen Abrackern in der tristen Fabrik zu entkommen. Zwei Arbeitskollegen tun es ihm gleich. Und so geht es ab in die nächste Bar, um mit reichlich Alkohol ihre, für kurze Zeit gewonnene, Freiheit zu begießen.

Krankschreiben lassen können sich die Protagonist*innen im Dokumentarfilm SILVER FIREFLY gar nicht erst. Denn sie haben keine Lohnarbeit. Und auch kein Zuhause im herkömmlichen Sinn. Am Flussufer des Río de La Plata, in der Nähe des Hafens von Buenos Aires, lebt eine Gruppe von Menschen in improvisierten Holzhütten. Als Fischer versuchen sie, ein wenig Geld zu verdienen. Es sind Ausgestoßene, die in der Gesellschaft keinen Platz mehr fanden und durch das soziale Raster fielen. Einer von ihnen ist Adrian, der in der argentinischen Wirtschaftskrise von 2001 alles verlor und nun schon seit 15 Jahren am Flussufer wohnt. Trotz all der widrigen Umstände schauen er und die anderen optimistisch in die Zukunft und setzen große Hoffnung auf die argentinischen Wahlen 2019.

Einer ungewissen Zukunft blicken indessen drei Arbeiter in STONE BREAKERS entgegen. Sie wissen nicht, wie lange sie noch Blöcke im Steinbruch abtragen können. Das Steinvorkommen neigt sich langsam dem Ende zu und mit ihm auch die Arbeit der Steinbrecher. Es ist aber auch ein Ende der Ausbeutung. Einer Ausbeutung der Erde, ebenso wie der Körper, die jahrzehntelang geschunden wurden. In ruhigen Bildern beobachtet der Dokumentarfilm die letzten Tage zwischen dröhnendem Maschinenlärm und kontemplativer Stille, wenn die drei schwere Steinblöcke hieven, in der Pause um einen Tisch versammelt schweigend Zeitung lesen, ins Handy starren oder bedächtig eine Orange schälen.

 

Arbeitsleben

Auf eine gänzlich andere Weise verhandelt der Experimentalfilm ALL MOVEMENTS SHOULD KILL THE WIND die Arbeit mit Stein. Die Arbeiter sind nur mit grauem Staub bedeckte, schemenhafte Erscheinungen in einer Ansammlung von Statuen und Felsblöcken. Im Vordergrund steht nicht der schuftende Mensch, sondern das Material, das bearbeitet wird. Das Klirren der Steinsäge, die surrenden Bewegungen des Winkelschleifers und das Klacken von zerbrochenen Steinen; all das vermengt sich zu einer intensiven Soundkulisse, während der Wind stetig den aufsteigenden Staub davonträgt.

Für Martin Lacey jr. hingegen ist seine Arbeit keine mühsame Plackerei, sondern eine Lebensaufgabe. Er ist seit 2001 Dompteur bei Circus Krone. Genauer gesagt ist er Tierlehrer. So bezeichnet er sich zumindest in dem Dokumentarfilm THE LION-TEACHER, der im HFF-Special läuft. Es gehe ihm darum, den Charakter seiner Raubkatzen aufzubauen, wie er sagt. Dabei ist er längst keine jederzeit austauschbare Arbeitskraft mehr. Seine Persönlichkeit ist vielmehr zur elementaren Marke von Circus Krone und Bestandteil seiner Arbeit geworden. Eine privilegierte Form der Arbeit, von der die Protagonist*innen in den anderen Filmen wohl nur träumen können.