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Dienstag, 12.11.2019

Meet the Filmmakers: KIPPAH

Interview mit Regisseur Lukas Nathrath

Meet the Filmmakers: KIPPAH

Regisseur Lukas Nathrath

 

Was wäre der Teasertext für deinen Film KIPPAH?

Ein Jugendlicher wird wegen seiner Religionszugehörigkeit ausgegrenzt und verliert seine Freunde. Während seine Eltern an der Schulleitung scheitern, sucht er eigene Wege, mit den Demütigungen umzugehen. Basierend auf wahren Begebenheiten erzählt diese Geschichte von Verrat, Gruppendruck und Solidarität und von einem jungen Menschen, der sich seiner Identität bewusst wird.

Woher stammt die Inspiration für deinen Film?

Ursprünglich von einem langen Artikel in der Süddeutschen Zeitung über einen Schüler in einer Berliner Gesamtschule, der brutal gemobbt wurde, nachdem herauskam, dass er jüdisch ist. Nach intensiver Recherche und vielen Gesprächen mit jüdischen und muslimischen Menschen habe ich eine Reportage über Antisemitismus gedreht und das Drehbuch geschrieben, das aber auch inspiriert ist von jedem, der sich in einem Machtsystem einsam oder ausgeliefert fühlt.


Mit welchen drei Personen aus Film und Fernsehen würdest du gerne einen Abend verbringen? Warum? Und was unternehmt ihr?

Mit Mike Leigh, Bong Joon-Ho und Greta Gerwig, wegen ihrer großartigen Filme mit faszinierenden, vielschichtigen Figuren. Ich würde alles über ihren kreativen Prozess wissen wollen. Wir würden meine Lieblingsszenen aus ihren Filmen anschauen und ich würde unendlich viele Fragen stellen. Wenn sie dann noch nicht restlos genervt wären, würde ich sie zum Abendessen einladen und versuchen zu kochen. Es wäre ein Ansporn, besser kochen zu lernen.

Was ist dein liebstes Filmzitat?

"This morning, I was so happy. Now, I don't know what went wrong." — "You were miserable this morning! We got bad reviews, terrible ratings…" — "No, I was happy, but I just didn’t realize I was happy." (Woody Allen, HANNAH UND IHRE SCHWESTERN)


Für welchen Film würdest du gerne die Fortsetzung drehen?

MOTHER! von Darren Aronofsky, aber als erweiterte Version nur der Szenen mit Ed Harris, Michelle Pfeiffer und Javier Bardem, und daraus eine bourgeoises, psychologisches Kammerspiel machen.

Was ist dein Lieblingsfilm – offiziell und heimlich?

Zu viele offizielle und heimliche Lieblingsfilme, aber aus den letzten Jahren: PARASITE, SYNONYMS, FRANCES HA, OH BOY, WILD TALES, WHIPLASH, THE FAVOURITE, GET OUT, CALL ME BY YOUR NAME, THE HANDMAIDEN, HAPPY-GO-LUCKY, MAPS TO THE STARS und SIERANEVADA von Cristi Puiu, ein viel zu wenig gesehenes Meisterwerk.

Mit welche/r/m SchauspielerIn würdest du gerne drehen und warum?

Zu meinen Lieblingsschauspielern gehören Sean Penn, Jude Law, Julianne Moore, Viola Davis, Juliette Binoche, Joaquin Phoenix, und der zu früh verstorbene Philip Seymour Hoffman. Von all denen wäre ich noch ziemlich eingeschüchtert, aber man muss einfach nur eine Kamera auf sie halten und es ist pures Kino. Und in Deutschland gibt es so viele wunderbare Schauspieler, von denen wir filmisch noch viel zu wenig gesehen haben, wie Anja Herden oder einige, mit denen ich schon drehen durfte, zum Beispiel Sebastian Doppelbauer, Susanne Dorothea Schneider, Lilli Meinhardt und Samy Abdel Fattah — und ich hoffe, unsere besten Zusammenarbeiten liegen noch vor uns.


Was war bisher dein liebstes Filmfestivalerlebnis?

Das Beijing International Student Film & Video Festival letzten Herbst, perfekt organisiert von den Studenten der Pekinger Filmakademie, wo mir klar wurde, dass ich neben tollen Filmen und der kreativen Arbeit selbst am meisten durch die Gemeinschaft mit anderen jungen Filmemachern aus aller Welt inspiriert werde: jeden Abend sind wir in eine Bar gegangen und haben Stunden über Filme diskutiert — Studenten aus Mexiko, Israel, Iran, Indien, Frankreich, Italien, China —, und durch die gemeinsame Liebe zum Kino sind kulturelle oder politische Grenzen völlig sinnentleert geworden.

Stichwort „München“. Was fällt dir als erstes ein?

Familie.

 

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Behind the Scenes Foto Copyright: O-Young Kwon / Niklas Marc Heinecke