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Freitag, 06.10.2017

Die Auswahljury hat entschieden

Interview mit Susanne Burg und Tice Oakfield

Die Auswahljury hat entschieden

Die Auswahljury 2017: Olga Domżała, Tice Oakfield und Susanne Burg

Die Entscheidung ist gefallen. Auf dem FILMSCHOOLFEST MUNICH im November wird ein zwölfeinhalbstündiger bunter Mix an studentischen Kurzfilmen zu sehen sein. Darunter 25 Spielfilme, elf Dokumentarfilme, sieben Animationen und ein Experimentalfilm. Die insgesamt 44 Filme im Wettbewerbsprogramm stammen von 31 Schulen (davon sieben deutsche) aus 17 Ländern. Welche Filme es letztlich auf die Münchner Leinwand schaffen, entscheidet jedes Jahr eine dreiköpfige, internationale Auswahljury. In diesem Jahr schauten sich Olga Domżała (OD), Susanne Burg (SB) und Tice Oakfield (TO) (Portrait) durch insgesamt 243 eingereichte Kurzfilme mit einer Gesamtlänge von 66 Stunden. Wie sie diese große Aufgabe erlebt haben, verrät die Vorjury im Interview.

 

Ihr hattet 243 Filme zu schauen und zu bewerten. Wie seid ihr dabei vorgegangen und mit welchen Erwartungen seid ihr die Aufgabe angegangen?

SB: Es gab eine Liste mit allen Filmen. Ich habe mich von oben nach unten durchgearbeitet - auch um den Überblick zu behalten. Und habe mich gefreut über die Mischung an Ländern, Längen, Genres, Erzählungen.

OD: Ich habe die Filmliste von oben nach unten durchgearbeitet und wusste gar nicht, was mich erwarten würde. Es war sehr interessant, die Filme so zu schauen, da sich auf diesem Wege ein bunter Mix an Ländern, Themen und Genres ergeben hat. Beim Schauen habe ich nicht darauf geachtet, von welcher Filmschule ein Film stammt. Es hat einzig und allein der Film selbst gezählt.

TO: Ich wollte es vermeiden, mehrere Filme einer Schule oder eines Genres direkt nacheinander zu sehen, darum habe ich mich kreuz und quer durch die Filme geguckt. Ich glaube, ein Film sollte für sich selbst sprechen. Wenn der Film irgendeine Art von Einführung oder Erklärung jenseits des Filmes selbst braucht, dann halte ich das generell für nicht gut. Natürlich bedarf es aber manchmal Wissen über eine Kultur, Sprache oder die Geschichte eines Landes, bevor man einen Film sieht. Und um ehrlich zu sein, haben mich zwei der Festivalfilme dazu verleitet, Recherechen zur Geschichte und Kultur der betroffenen Länder zu betreiben. Sie haben mich dazu gebracht, mir Gedanken zu machen. Meine Gründe, Filme für geeignet für das Festival zu halten, sind so vielfältig wie die Filme selbst. Jeder Film hat seine Stärken.

Was interessiert euch persönlich am meisten an einem Film?

TO: Zur Zeit interessiere ich mich sehr für Science Fiction. Um genauer zu sein, für die Technologien und wissenschaftlichen Errungenschaften, die die nächsten 50 Jahre der Menschheit bestimmten werden. Filme wie MARS and HER geben einen Einblick in eine Welt, wie sie schon in der nahen Zukunft möglich sein kann.

SB: Am Film ist ja gerade faszinierend, wie viel hier zusammenkommt und wie das Zusammenspiel funktioniert. Und zu verstehen, was ein Film will und ob das aufgeht. Das sehe ich als meine Aufgabe. Ich kann aber auch nicht verhehlen, dass meine Arbeit beim Radio mich für gesprochene Sprache sensibilisiert hat und die Qualität von Dialogen mir relativ schnell auffällt.

Die Jury bei der Arbeit

Welche Art von Filmen schaut ihr privat am liebsten? Habt ihr einen absoluten Lieblingsfilm?

OD: Zwei, die ich immer wieder gerne gucke sind JENSEITS VON AFRIKA von Sydney Pollack und ICH UND DU UND ALLE, DIE WIR KENNEN von Miranda July. Ich liebe auch Dokumentarfilme, aber da muss ich vorsichtig sein - die bleiben mir immer sehr stark im Gedächtnis und haben einen enormen Einfluss auf mich.

SB: Mein absoluter Lieblingsfilm: EINS, ZWEI, DREI von Billy Wilder.

TO: Mein Lieblingsfilm? Schwierige Entscheidung. Ein Film, der definitiv einen bleibenden Eindruck hinterlassen hat, ist SONGS FROM THE SECOND FLOOR. Ein visuelles Spektakel! Der Regisseur hat starke Entscheidungen getroffen, die ich so zuvor noch nie gesehen hatte. Der Film bleibt im Kopf und ist definitiv einer meiner Lieblingsfilme. Und zwei der Festivalfilme haben es auch auf die Liste meiner Lieblingsfilme geschafft.

Was ist euch bei eurem Filmmarathon aufgefallen? Sind bestimmte Themen hervorgestochen? Oder gab es Länder, die im Vergleich besonders auffällig waren?

TO: Während manche Länder nur sehr wenige Filme eingereicht haben, war Israel stark repräsentiert. Ich war überrascht von der Menge der Filme aus Israel und ihrer durchweg guten Qualität.

OD: Die Mege der Filme zum Thema Immigration hat mich nicht überrascht, daher war es toll zu sehen, dass einige davon dieses Thema in einer neuen Weise interpretiert haben. Ich habe allerdings mehr Dokumentarfilme erwartet, der Fokus lag aber ganz klar auf Spielfilmen. Israel war sehr stark, aber das hat mich nicht überrascht.

SB: Israel war unglaublich stark in diesem Jahr. Viele Filme mit einer sehr eigenen Handschrift und großem Mut zu eigenen Zugängen. Das war für mich die größte Erkenntnis. Flucht war ein wichtiges Thema: Einige Dokumentarfilme haben Flüchtlinge auf ihrem Weg Richtung Europa begleitet. Mehrfach hatten die Filmemacher eigene Erfahrungen. Immer wieder setzten sich Filmemacher auch mit ihren Eltern und Großeltern auseinander, versuchten auf diese Weise, ihre eigene Biographie zu verstehen und auch ein Stück Gesellschaftsgeschichte mit zu erzählen.

Was war die größte Überraschung?

TO: Tut mir Leid, das sagen zu müssen. Aber wenn man Realismus anstrebt und ein Schauspieler trinken soll: Füllt Getränke in die Tassen! Dass das nicht jeder tut, war definitiv die größte Überraschung für mich.

Diana Iljine begrüßt die internationale Auswahljury

 

 

Gab es Themen oder Genres, die ihr vermisst habt?

TO: Nein.

OD: Ja – Dokumentarfilme. Mehr davon, nächstes Jahr!

Wart ihr euch schnell einig, was die Filmauswahl anging oder wurde viel diskutiert?

SB: Wir hatten jeder ein paar Filme, die uns sehr wichtig waren und für die wir hart kämpfen wollten. Das wussten wir voneinander. Und es stellte sich heraus, dass es zum Teil die gleichen Filme waren, für die wir kämpfen wollten. Es gab also viele Schnittmengen. Und dann auch einige Differenzen. Da haben wir diskutiert, den oder die anderen manchmal erfolgreich überzeugt, manchmal aber auch nicht.

OD: Wir haben letztendlich eine Auswahl treffen können, mit der wir alle sehr glücklich und zufrieden sind. Es gab Filme, bei denen wir uns sofort einig waren aber einige davon haben trotzdem Diskussionen erfordert, was toll war. Bei der Auswahl haben wir nicht nur unseren eigenen Filmgeschmack berücksichtigt, sondern auch darüber nachgedacht, was für das Publikum interessant ist.

TO: Es gab schon einige Filme, auf die wir uns einigen konnten. Aber natürlich gab es auch Überraschungen, bei denen einer von uns wirklich um einen Film kämpfen musste. In der Situation war ich nicht. Glücklicherweise, waren wir uns bei meinen liebsten Filmen immer einig. Nur für einen Film musste ich kämpfen: Den fand ich super witzig, ich bin aber überzeugt, dass er gemischte Reaktionen hervorrufen wird.

Welche Empfehlung habt ihr für die Studenten und Zuschauer, um das Meiste aus ihrem Filmschoolfest-Besuch rauszuholen?

OD: Genießt die Filme, diskutiert sie, teilt eure Gedanken mit anderen! Ihr werdet die Filme der zukünftigen Kinomacher sehen!

TO: Schaut euch die Arbeit anderer Leute an und hört auf das, was andere zu eurer Arbeit sagen. Bei der eigenen Arbeit ist es oft schwierig, objektiv zu bleiben. Es ist aber erstaunlich einfach, die Arbeit anderer objektiv zu betrachten. Ihr könnt davon profitieren, wenn ihr über eure Filme sprecht. Außerdem bietet ein so großes Spektrum von Filmen aus aller Welt natürlich eine großartige Möglichkeit, um mehr über das Filmemachen und Storytelling in anderen Kulturen zu lernen. So erlangt man vielleicht auch eine neue Perspektive, was die eigenen Methoden und Botschaften angeht.