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Sonntag, 15.11.2015

Meet the Jury: Thure Lindhardt

Interview mit Jurymitglied Thure Lindhardt

Meet the Jury: Thure Lindhardt

Thure Lindhardt

 

Der dänische Schauspieler Thure Lindhardt stand mit 12 Jahren das erste Mal vor der Kamera. Er war Shooting Star auf der Berlinale, spielte in Filmen wie „Was nützt die Liebe in Gedanken“, „Tage des Zorns“ und „3096 Tage“ und ist ab 2016 in der deutsch-skandinavischen Serien-Koproduktion „Die Brücke – Transit in den Tod“ zu sehen. Vom 15. bis 21. November ist er Jurymitglied beim Internationalen Festival der Filmhochschulen in München.

Du hast mit 12 Jahren deine erste Rolle in „Pelle, der Eroberer“ von Bille August übernommen. Wolltest Du zur Schauspielerei oder war es Zufall?

Es war kein Zufall. Seit ich 5 Jahre alt war, wollte ich schon Schauspieler werden. Ich weiß nicht warum. Das hat in der Schule angefangen. Ich habe gemerkt, dass alle lachen, wenn ich etwas sage. Das fand ich schön und habe mir wahrscheinlich gedacht, da will ich mehr von. Mit zehn oder elf habe ich im Amateurtheater gespielt und eine Kollegin von meinem Vater, die wusste, dass ich Schauspieler werden möchte, hat eine Anzeige in einer dänischen Zeitung gefunden, in der sie nach Kinderdarstellern gesucht haben. Da habe ich mich beworben – für die Hauptrolle natürlich. Die habe ich nicht bekommen, aber dafür meine erste kleine Rolle. Danach habe ich noch einen Kinderfilm gemacht.

Und dann gab es eine Pause bis Ende der 90er…

In meinen Teenager-Jahren habe ich mich oft beworben, aber nichts gekriegt. Es ist gut, dass mir das so früh passiert ist. In dem Alter war ich zu selbstbewusst. Man will dann mehr und mehr, aber dadurch spielt man nicht mehr so gut. Bei Probeaufnahmen war ich zu angestrengt. Es hat dann auch keinen Spaß mehr gemacht und wurde frustrierend. Ich bin damals ins Gymnasium gegangen, war ein Jahr auf dem Internat in Deutschland. In der Schule habe ich zwar auch Theater gespielt und Regie geführt, aber als Teenager hat man ja noch andere Interessen. Mit 18 Jahren habe ich mich dann für die Schauspielschule beworben, wo ich vier Jahre war. Und erst mit 23 habe ich wieder angefangen, als Schauspieler zu arbeiten, aber dann richtig.

Du hast die Schauspielschule in Odense besucht.

In Dänemark habe ich mich auf drei Schulen beworben. Außerdem bei der Central School of Speech and Drama in London, beim Max Reinhardt Seminar in Wien und bei der Hochschule für bildende Künste Berlin. Mit Wien war es sehr lustig: Eine Freundin meinte, ich solle mich doch in Wien bewerben, dafür müsse man nur drei Texte vorbereiten. Damals war ich gerade auf dem Internat in Hessen. Ich habe also drei Texte gelernt, bin nach Wien getrampt und habe mich auf die Bühne gestellt. Da saß Klaus Maria Brandauer, der mich fragte, was ich denn vorspielen wolle. Ich habe Tschechov, „Fräulein Julie“ von Strindberg und irgendeine griechische Tragödie aufgezählt und er sagte: „Das sind ja nur drei Texte, vier waren aber die Voraussetzung. Sie müssen leider gehen.“ Da bin ich also wieder gegangen und er rief hinterher: „Komm nächstes Jahr wieder.“ In Dänemark wurde ich dann aber angenommen und in Berlin habe ich gar nicht mehr vorgesprochen. Für mich ging es nur darum, dass ich Schauspieler werden wollte. Wo war damals eigentlich egal.

Der Besuch der Schauspielschule war also für Dich der richtige Einstieg in die Filmbranche?

Ich denke, für mich war es richtig, zur Schauspielschule zu gehen. Aber ich glaube, auch wenn ich nicht reingekommen wäre, würde ich mich heute trotzdem mit Schauspielerei, Theater oder Film beschäftigen. Auch das Amateurtheater vorher – das war schon meine Welt.

Deine erste Hauptrolle war in „Her i nærheden“ (Hier in der Nähe). Bist Du dafür von Casting zu Casting gegangen oder kam eines Tages ein Anruf aus heiterem Himmel?

Auf der Schauspielschule gab es im letzten Jahr eine Präsentationsvorstellung, bei der ich einen jungen Mann mit psychischen Problemen gespielt habe. Dazu wurden Theater- und Filmregisseure eingeladen. Viele kamen natürlich nicht. Aber Kaspar Rostrup, der in Dänemark ein großer Regisseur ist, der ist gekommen, weil er einen jungen Mann für diese Rolle gesucht hat. Er hat mich am nächsten Tag angerufen und zum Casting eingeladen. Ich bin nach Kopenhagen gefahren, habe das Casting gemacht und die Rolle sofort bekommen. Das war ganz traumhaft. Auch wegen Ghita Nørby. Sie ist unsere größte Schauspielerin überhaupt, und die hat meine Mutter gespielt.

In „Was nützt die Liebe in Gedanken?“ (2004) hast Du das erste Mal eine Rolle in einer deutschen Produktion übernommen. Wie ist man in Deutschland auf dich aufmerksam geworden?

2000 war ich einer der „Shooting Stars“ auf der Berlinale. Da gab es auch ein Treffen auf dem Filmfestival in Busan in Korea, wo ich den Regisseur Achim von Borries kennengelernt habe. Wir haben natürlich gefeiert – wie man das so macht auf Festivals – und er sagte: „Irgendwann machen wir einen Film zusammen.“ Ich habe gelacht und gemeint „Ja, ist gut, lass uns einfach trinken.“ Zwei Jahre später rief er mich aber tatsächlich an: „Erinnerst Du Dich noch? Jetzt habe ich eine Rolle für Dich.“ Das war natürlich richtig toll. Es hat bestimmt auch geholfen, dass ich etwas Deutsch kann. Ich werde zwar fast immer Ausländer spielen, aber das macht nichts. Heute sieht die Welt ja anders aus – Akzente sind nicht mehr so problematisch wie früher einmal. Diese vielen europäischen Koproduktionen, bei denen alle Englisch mit merkwürdigem Akzent sprechen…

Die Auszeichnung als Shooting Star hatte also Einfluss auf Deine Karriere?

Ja, das muss ich schon sagen. Vor allem durch die Leute, die ich getroffen habe – Achim von Borries natürlich, aber auch viele Casting Directors. Aber es geht nicht nur darum, dass du diesen Preis kriegst oder viele Leute triffst, sondern es gab auch diesen Aha-Moment: Ich bin auf dem richtigen Weg. Ich mache hier was richtig. Besonders wenn du so jung bist, brauchst du diese Ermutigung. Das ist sehr wichtig. Wenn du älter wirst, musst du damit aber aufhören, weil die Jagd nach Bestätigung zu einem Gefängnis werden kann.

Du drehst in Dänemark, du bist im deutschen Film und TV sehr präsent, aber auch in US-Produktionen…

Ich wollte das immer. Ich komme aus einer Familie, in der man sich sehr für andere Sprachen und Kulturen interessiert. Ich empfinde es als ganz großes Privileg, in anderen Ländern arbeiten zu können. Ich war drei Monate in München für den Kampusch-Film. Wenn du da arbeitest, lebst du da nicht wirklich, bekommst aber natürlich ein Gefühl von einer Stadt und den Leuten und der Mentalität – Humor oder kein Humor… Ich habe viele Sachen erlebt, die für mich ganz wertvoll sind. Ich liebe meinen Job und ich liebe zu spielen, aber auch das damit verbundene Reisen finde ich wahnsinnig reizvoll und interessant.

Wie kommt man an die internationalen Rollen?

Heute, gerade mit den ganzen internationalen Produktionen, würde das für mich ohne Agentur gar nicht gehen. Meine Hauptagentur ist in Dänemark, dann habe ich noch welche in Deutschland, England und Amerika. Heute Nachmittag muss ich zum Beispiel „self tapes“ machen. Das heißt, ich bekomme über meine Agentur ein Drehbuch und zwei, drei Szenen geschickt. Die nehme ich selbst auf, manchmal mit einem Schauspielkollegen, manchmal ohne, und schicke das Tape an meine Agentur zurück. Dann bekommt man einen Callback oder hört eben überhaupt nichts. So hab ich zum Beispiel die Rolle in „Into the wild“ von Sean Penn bekommen. Das war ein self tape, das ich hier in Kopenhagen gemacht habe. Ich sollte eigentlich einen Deutschen spielen, und habe versucht, mit deutschem Akzent zu reden. An einem Freitag kam dann ein Anruf von meinem Agenten: „Mr. Penn would really like to meet you. He would understand, if you don’t want to spend all that money to come over to L.A. but if you like to do it anyway, he would like to meet you next Friday 2pm.“ Was machst du dann? Ich hatte natürlich überhaupt keine Kohle und habe meine liebe Mutti angerufen: „Mutti, ich kann Sean Penn treffen. Nächste Woche. Ich brauche 800 Euro. Du kriegst sie zurück.“ Sie ist total toll und hat mit geholfen. Dann bin ich nach Los Angeles gefahren und habe Sean Penn getroffen. Das war die 800 Euro wert. Er hat gefragt „Woher kommst Du eigentlich?“ – „Dänemark“ – „Ich liebe Dänemark. Sag mal kannst Du vielleicht auch eine Schauspielerin aus Dänemark finden?“ – „Ja, ich glaub schon, dass das möglich wäre, eine dänische Schauspielerin zu finden, die mit Sean Penn arbeiten will.“ Zuhause haben mein Manager und ich zehn dänische Schauspielerinnen gecastet, die tapes rübergeschickt und er hat eine von ihnen ausgewählt. Und deswegen sind die beiden Charaktere im Film jetzt Dänen. Tut mir Leid deutsche Schauspielerinnen!

Hast Du Unterschiede bei der Arbeit in verschiedenen Ländern bemerkt?

Wenn man es herunterbricht, ist es dasselbe. Es gibt eine Szene, die gelöst werden muss. Und es gibt ein paar Schauspieler, einen Regisseur, eine Kamera, Licht und so weiter. Das ist für mich auch das Schöne. Überall geht es um dasselbe: eine Geschichte zu erzählen. Und um dieselbe Frustration. Dieselben Schwierigkeiten. Dieselbe Liebe zur Kunst. Dieselbe Leidenschaft. Natürlich gibt es auch große Unterschiede. Das liegt auch daran, ob es eine riesige Produktion ist, oder ein kleiner Low-Budget-Film. Bei „Keep the lights on“ haben wir in New York 12 Stunden am Tag, sechs Tage die Woche gedreht. Du bist jeden Tag nach Hause, um dich direkt wieder vorzubereiten. In Amerika hat sich da keiner beschwert. Sie haben die Einstellung, dass sie diesen Job haben, weil sie gut sind. Es gibt 5.000 andere, die diesen Job auch möchten, d.h. ich beschwere mich nicht. Ich mach es einfach und ich mache es gut. In Europa sind wir manchmal ein bisschen mehr so: „Ja, das ist alles scheiße. Ich bin müde. Der Regisseur ist auch scheiße. Was ist das überhaupt für ein Projekt? Es gibt kein Geld. Und der Kaffee ist auch schlecht.“ Es gibt ein bisschen zu viel Meckern. Natürlich muss man darauf achten, sich nicht ausbeuten zu lassen. Vielleicht wissen wir in Europa, dass wir nicht so viele sind.

Die meisten Rollen, über die wir gesprochen haben, sind ausgefallen, mutig, kaputt – was reizt dich an Charakteren wie dem autistischen Junge in „Hier in der Nähe“, dem Callboy im „Tatort“, Wolfgang Priklopil in „3096 Tage“?

Die interessieren mich mehr. Es ist mit Sicherheit auch so geworden, weil ich damit angefangen habe, und dann ist man auf Rollen festgelegt. Ich habe auch viel anderes gemacht, viele Komödien. Aber Rollen, Menschen, Charaktere, die irgendwie schräg sind, die dunkle Seiten haben oder für die das Leben nicht so einfach ist, sprechen mich mehr an. Ich finde, dass es mehr zu spielen gibt. Und ich finde es interessant, in diesen Charakteren das Normale und das Menschliche zu finden. Wir haben alle unsere dunklen Seiten und Abgründe - nur nicht auf facebook. Und ich finde, dass das Schauspiel ausdrücken darf, was nicht gesagt werden kann. Auch das Unaussprechbare kann man darstellen. Im Leben urteilen wir ständig über andere Leute und über uns selbst. Das Leben ist voller Urteile. In der Kunst darf man nicht urteilen. Wenn ich eine Rolle spiele, darf ich nicht über sie urteilen. Wenn ich Priklopil spiele, darf ich ihn nicht verurteilen. Das Gleiche gilt bei einem Junkie oder einem Stricher. Und das finde ich schön an meinem Beruf. Ich finde, dieses ständige Urteilen macht uns ganz unglücklich. Und ein Film kann es schaffen, dass man Verständnis für etwas bekommt, von dem man nicht dachte, dass man dafür Verständnis hat. Und deswegen mag ich es, diese Rollen zu spielen, weil diese Charaktere Stimmen brauchen. Ich will das Schräge, das Böse nicht nur als monströs sehen. Wenn wir uns mit jemand identifizieren, wissen wir, dass wir auch das Dunkle in uns haben. In mir gibt es auch Böses, in mir gibt es auch Ego, Dreck… Ich hab das alles selber. Deswegen finde ich es so toll, solche Rollen zu spielen. Ich lerne viel davon.

Gibt es Regisseure, die Dich bei der Zusammenarbeit besonders beeindruckt haben?

Mit Ole Christian Madsen möchte ich immer wieder arbeiten. Wir haben einen sehr guten Draht. Er sieht, was ich mache, sagt nicht viel dazu, aber wenn er was sagt, macht er ganz klare Ansagen. Das mag ich als Schauspieler. Aber es gibt so viele, mit denen ich wieder arbeiten möchte. Vor einem halben Jahr habe ich in Dänemark an der Filmhochschule an einem Kurzfilm mitgearbeitet. Der junge schwedische Regisseur hat so eine ganz schräge Geschichte gemacht, mit Sonja Richter und mir. Da habe ich gemerkt: hier ist etwas Interessantes. Er hatte vorher noch nichts gemacht, wusste eigentlich gar nicht, wie man Schauspieler anleitet. Aber das macht nichts, das kann er alles lernen. Weil du merkst, dass er wusste, was er wollte, dass er etwas Originelles vorhat. Das würde ich gern wieder einmal machen, auch in fünf oder zehn Jahren.

Du spielst immer wieder in Kurzfilmen. Ist das eine andere Herausforderung?

Ja. Man hat ja viel weniger Zeit, um eine Geschichte zu erzählen. Ich finde auch, es ist eine Pflicht als Schauspieler in Kurzfilmen mitzuspielen. Kurzfilme sind ja oft von jungen Regisseuren gemacht.

Es ist also eine Möglichkeit, den Nachwuchs zu unterstützen. Kann einer unserer Festivalgäste Dich für einen Kurzfilm gewinnen?

Ja, auf jeden Fall. Wenn ich Zeit habe.

Seit ein paar Jahren sind alle im Serien-Fieber. Wenn man deine Filmographie so anschaut, bist du es schon viel länger. Von „Morten Korch - Ved stillebække“ (2000) bis „The Borgias“ (2013) hast Du in zahlreichen Serien mitgespielt. Wie ist die Arbeit da für Dich?

Gerade komme ich vom Set von „Die Brücke“. Da haben wir eine ganze Staffel gedreht. Das waren fast neun Monate Drehzeit. Es ist richtig toll, so viel Zeit zu haben, um einen Charakter zu entwickeln. Am Ende kennst du ihn so gut. Und weil du ihn so gut kennst, macht es mehr und mehr Spaß. Und es gibt dir Sicherheit. Bei „Die Brücke“ hatten wir zwei verschiedene Regisseure - Henrik Georgsson hat die ersten vier Folgen gemacht, Rumle Hammerich die nächsten vier, dann ist Georgsson zurückgekommen und hat noch einmal zwei Folgen gedreht. Das bringt Abwechslung. Plötzlich kommt ein anderer Regisseur und der hat einen anderen Blick, und sieht andere Sachen. Und plötzlich bekommt man anderen Input. Wenn Du eine nicht so tolle Serie machst, macht es natürlich keinen Spaß. Dann sind neun Monate ganz lang.

Bist Du selbst Serien-Fan?

Nicht so sehr. Das ist schon fast peinlich, aber ich habe keinen Fernseher. Ich bin auch nicht einer von denen, die „Game of Thrones“ schauen. „Dexter“ habe ich total gemocht. „House of Cards“ finde ich super. Aber ich bin kein Binge-Watcher. Und wenn ich mal frei habe, will ich etwas anderes machen. Ich bin sowieso schon viel am Set und habe viel mit Film zu tun. Dann will ich lieber in meinem Garten sitzen und ein Buch lesen, oder spazieren gehen.

Was stehen für andere Projekte an?

Gerade habe ich einen Film abgedreht: den englisch-bulgarisch-belgischen Film „I want to be like you“ von Konstantin Bojanov, wo auch Kim Bodnia aus „Die Brücke“ mitspielt. Dafür waren wir die letzten zwei Wochen in Antwerpen. Für nächstes Jahr bereite ich zwei Projekte vor. Und die nächsten drei Monate habe ich mir freigenommen zum Schreiben. Mit einem Drehbuchautor arbeite ich an zwei Büchern.

Ist es das erste Mal, dass Du an einem Drehbuch mitschreibst?

Ja. Ob das was wird, wissen wir nicht. Aber es macht uns Spaß. Über den Inhalt will ich noch nichts sagen. Aber es ist spannend, einmal die Seiten zu wechseln. Die letzten Jahre habe ich so viel gearbeitet, da ist es schön, mal was anderes zu machen und so auch die Akkus wieder aufzuladen. Deswegen finde ich es auch toll, in einer Jury zu sein. Da bin ich trotzdem in meinem Metier, aber ich mache was anderes, ich muss nicht spielen.

Du bist beim Filmschoolfest in der Jury. Worauf achtest Du bei den Filmen?

Ich war vor vier Jahren auch in der Jury vom Les Arcs European Film Festival und in Dänemark vor zehn Jahren. Kurzfilme finde ich ganz schwierig. Wenn Kurzfilme gut sind, dann richtig, richtig gut. Wenn man nicht so viel Zeit hat, braucht man eine originelle Idee. Und ich schaue immer, ob es mich berührt oder nicht. Das ist eigentlich ganz einfach. Berührt es mich überhaupt, oder überhaupt nicht. Und wenn überhaupt nicht, ist es provozierend oder macht es irgendetwas anderes? Am liebsten ist es mir, wenn ich mich selbst vergessen kann in den wenigen Minuten. Das ist jetzt natürlich kein Kurzfilm, aber gestern habe ich „Victoria“ das erste Mal gesehen. Nach fünf Minuten hab ich mich total vergessen. Das finde ich so schön, wenn du diese Erlebnisse hast. Du bist in diesem Film. Du bist einfach da. Du leidest mit den Charakteren, oder sagst „Nein, mach das nicht! Hör auf!“. Ich schau natürlich auch, wie die Schauspieler spielen. Das ist klar. Wie ist der Regisseur mit den Schauspielern umgegangen? Wie hat der Regisseur die Schauspieler geführt? Wenn die Schauspieler richtig, richtig schlecht spielen, dann denke ich mir: Naja gut, dann ist es auch kein guter Regisseur. Ein Regisseur muss ja so viele Sachen machen und einen Überblick haben, aber wenn die Schauspieler nicht gut spielen, kann ich mich nicht in der Geschichte verlieren.

Du kennst München durch die Dreharbeiten von „3096 Tage“ - Was sind deine Highlights? Was hast Du vor, wenn Du wieder hier bist?

Ich muss zum Viktualienmarkt. Und Weißwürste essen. Und natürlich auch irgendwo ein Bier trinken. Und ich will einfach rumspazieren. Ich habe damals in der Baderstrasse gewohnt und es ist so toll in dem Viertel. Ich finde die Stadt insgesamt echt schön. Eine richtig tolle Stadt. Ich freue mich sehr nach München zu kommen.

 

Interview für Cinearte