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Samstag, 03.11.2012

Dennis Gansel im Interview

Der Regisseur über seine ersten Besuche auf dem Festival und sein Amt als Jurypräsident.

Dennis Gansel und 1st AD Götz Borchert bei den Dreharbeiten zu THE WRONG TRIP (erster Film von Dennis Gansel, produziert von Christian Becker, ebenfalls dessen erste Produktion)

Sie haben von 1994 bis 2000 an der Hochschule für Fernsehen und Film in München studiert. Wann waren Sie zum ersten Mal auf dem Internationalen Festival der Filmhochschulen?
Gleich nachdem ich an der HFF angefangen hatte. Das war eine der ersten Feten, auf denen ich als Student in München war. Ich fand das damals ganz toll - das Festival, die Preisverleihung, die Partys - das war für mich als 21jährigen frischgebackenen Studenten aus Hannover die große, weite Welt. Ich fühlte mich im Aufbruch und dachte "Jetzt beginnt eine Zeit der Kunst und Kreativität!" Das war alles unglaublich spannend - und eine unheimliche Motivation für mich.

Und danach?
Ich war regelmäßig auf dem Festival der Filmhochschulen, schon allein um zu sehen, was die anderen machen. Wo sieht man schon so viele Filme von Kollegen auf einmal. Was man dort erlebt, ist von unschätzbarem Wert. Es ist wie beim Theater die erste Aufführung. Man kann die eigene Arbeit, woran man Wochen und Monate gesessen hat, endlich einem großen Publikum zeigen. Man bekommt Aufmerksamkeit, vielleicht Anerkennung von Zuschauern, Kollegen oder auch erfahrenen Leuten aus der Branche. Oder auch einen vollen Kinosaal, der sich kaputtlacht über die witzigen Szenen, die man sich ausgedacht hat. Das ist durch nichts zu ersetzen - und auch psychologisch sehr wichtig. Und wenn man dann auch noch einen Preis mit nach Hause nehmen kann - umso besser.

Bringt ein Festival auch etwas für die Zukunft?
Natürlich. Auf so einem internationalen Festival kann man hervorragend Kontakte machen und netzwerken. Ich arbeite zum Beispiel noch heute mit vielen Leuten aus meiner Studienzeit gerne und regelmäßig zusammen. Und einige von uns haben tatsächlich während solcher Festivaltage und -nächte auch die Liebe ihres Lebens kennengelernt und sich zum Beispiel nach Irland verheiratet.

Wann hatten Sie den ersten eigenen Film auf dem Festival?
Das war 1999. Da lief mein Film "Im Auftrag des Herrn", eine Komödie. Das war unglaublich aufregend. Ein internationales Festival, Leute aus aller Welt - und dann mein Film. Ich habe mich nicht ins Kino reingetraut, mich im Vorraum rumgetrieben und intensiv gelauscht. Erst als die Leute an den richtigen Stellen lachten, bin ich dann rein.

1999 - in dem Jahr war Roland Emmerich Präsident der Festival-Jury ...
Von Roland Emmerich habe ich gar nicht so viel mitbekommen, da ich damals gerade meinen ersten Langfilm in Köln gedreht habe und nur ganz kurz auf dem Festival war. Zu den beeindruckenden Erlebnissen gehört aber die Begegnung mit Alan Parker, der vorher schon mal Jury-Präsident war. Ich bin ein großer Parker-Fan und halte ihn für ein Genie. Und Alan Parker dann live auf dem Festival zu erleben, in der Masterclass, aber auch vor dem Kino mit dem Bier in der Hand, das war für mich extrem beeindruckend.

Und jetzt sind Sie selbst Jury-Präsident ...
Ich war bisher noch kaum in Festival-Jurys. Da ist es schon eine große Ehre, mit Regisseuren wie Parker oder Emmerich in einer Reihe zu stehen. Um so mehr, als ich von solchen Größen noch weit entfernt bin. Ich fühle mich ja immer noch den Studenten viel näher. Für mich ist es eine Riesenehre, aber es wird sicher auch ein großer Spaß.

Inwiefern?
Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr und hoffe, auch selbst einiges an neuen Eindrücken mitzunehmen. Ich bin ein großer Kurzfilm-Fan. Nachdem ich viel an eigenen Stoffen gearbeitet habe, tut es auch einmal gut, die Kreativität von anderen Leuten für eine ganze Woche zu geniessen.

Haben Sie sich für ihr Amt etwas vorgenommen?
Ich will vor allem neugierig und aufgeschlossen sein für alles, was von jungen Regisseurinnen und Regisseuren aus den verschiedensten Ländern an Ideen und Filmen geboten wird. Ich bin gespannt, wie junge Filmemacher heute die Welt sehen - auch im Vergleich zu mir damals. Und ich sehe auch meine Verantwortung, ein wenig von meiner Erfahrung weiter zu geben. Vor allem was den wohl schwierigsten Schritt im Leben eines jeden Filmemachers betrifft - von der Hochschule in das Arbeitsleben. Da kann ich, glaube ich, ein paar gute Tipps geben. Denn das ist doch die entscheidende Frage: Wie kann ich nach mehreren Jahren auf einer Filmschule meinen Traum verwirklichen - und dabei Geld verdienen? Dafür habe ich vielleicht ein paar gute Ratschläge.

Am Donnerstag, 15.11., 11 Uhr, findet eine Masterclass mit Dennis Gansel in der HFF statt. Offen für alle Interessierten! Eintritt frei!

Dreharbeiten THE WRONG TRIP