Preisträger 2020

Bester Film:
VFF Young Talent Award

Stifter: VFF Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten mbH
Preis: 10.000 €


HE PULLS HIS TRUCK

von Kirill Proskurin
Moscow Film School, Russland

Die Festival Jury:
HE PULLS HIS TRUCK ist einer von vielen Filmen aus dem diesjährigen Programm, die ein Kind in den Mittelpunkt rücken. Es ist ein Film, der sich mit den Schwierigkeiten der Schwächsten in der Gesellschaft, die mit Gewalt und Armut zu kämpfen haben, befasst.
Regisseur Kirill Proskurin verliert dabei niemals Iyoshas Perspektive. Das kleine Ziel, einen Spielzeugtruck zu finden, wird für ihn das wichtigste Vorhaben – und am Ende verstehen wir auch warum: Er hat seinen Vater verloren, der LKW-Fahrer war, und kann im neuen Mann seiner Mutter keine Vaterfigur finden.
Aber wir begleiten ihn dabei, wie er in einer schwierigen Situation einen neuen Vater findet. Das gibt ihm zumindest für einen kurzen Moment in seinem Leben Stärke und Kraft.
Das Drehbuch ist so geschrieben, dass all diese großen Emotionen bei mir ankommen. und das fast ohne Dialog. Die Kamera ist immer nah bei dem Jungen und dieser kann sie so völlig ausblenden, zumindest sieht es so aus. So vergessen auch wir, dass wir gerade einen Film schauen. Das Schauspiel ist bei jeder Geste und jedem Wort so präzise, dass wir sogar vergessen, dass wir gerade Schauspieler*innen bei ihrer Arbeit zusehen und nicht echte Menschen beobachten.
HE PULLS HIS TRUCK ist ein Film voller Empathie, der wunderschön gemacht ist und gibt uns alles, was wir uns von einem großartigen Kurzfilm wünschen. Darum erhält er den VFF Young Talent Award für den besten Film.

 

Bestes Drehbuch:
Luggi Waldleitner-Preis

Stifter: Familie Waldleitner
Preis: 2.000 €

HEADING SOUTH

von Yuan Yuan (Regie & Drehbuch)
New York University, USA

Die Festival-Jury:
Wir freuen uns sehr, den Preis für das beste Drehbuch an HEADING SOUTH zu verleihen.
Es war eine Freude, diese Geschichte, die von der Kindheit der Drehbuchautorin und Regisseurin inspiriert ist, zu sehen. Die zutiefst berührende und dicht geschriebene Erzählung folgt der jungen Heldin auf ihrem Weg durch zwei Welten, deren Kulturen und Sprachen unterschiedlich sind und zwischen denen sie sich letztlich entscheiden muss. Der Film fängt die angespannte Situation perfekt ein, immer aus der Perspektive des Kindes, und demonstriert so großes Können im Storytelling.

 

Bester Dokumentarfilm:
ARRI-Award

Stifter: Arnold & Richter Cine Technik
Preis: Sachleistungen-Rental ARRI im Wert von 4.000 €



FOR EUNICE

von Jaan Stevens
RITCS School of Arts, Belgien

Die Festival-Jury:
Wir freuen uns sehr, den Preis für den besten Dokumentarfilm an FOR EUNICE zu überreichen.
Dieser Film bleibt, auch lange nachdem der Abspann vorüber ist, im Gedächtnis. Er entführt die Zuschauer in die Welt der jungen Eunice, einem Mädchen, das uns vom ersten Moment an in seinen Bann zieht. Eunice‘ Geschichte wird mit viel Feingefühl, Wärme und Präzision erzählt. Der Regisseur fängt die Ungewissheit, aber auch die spielerische Natur der Kindheit ein und zeigt dabei die innere Stärke, die dieses junge Mädchen bei seinen alltäglichen Problemen und Triumphen entwickelt. Ein absolut entzückender Film.

 

Beste Animation:
zweiB Award

Stifter: zweiB GmbH
Preis: Ein professionelles DCP-Mastering (im Wert von ca. € 1.000)


DAUGHTER

von Daria Kashcheeva
Film and TV School of the Academy of Performing Arts in Prague, Tschechische Republik

Die Festival-Jury:
Wir freuen uns, DAUGHTER den Preis für die beste Animation überreichen zu dürfen.
Der Film ist eine originelle, mit Liebe inszenierte und wunderschöne Erzählung, die durch die großartige Stop-Motion-Animation zum Leben erwacht. Das schwere Thema und die emotionale Komplexität werden effektiv mit symbolischer Bildsprache und durch die ausdrucksstarken Augen der, sonst stummen, Figuren vermittelt.
Die wunderschöne Lichtstreuung, die Tiefenschärfe und die fast fühlbaren Fasern der handgefertigten Animation machen diesen Film zutiefst berührend und zu einem großartigen Beispiel für visuelles Geschichtenerzählen.

 

ARTE-Kurzfilmpreis

Stifter: arte Television
Preis: Ankauf eines Films bis max. 15 Minuten Länge und bis 6.000 €


DRIFTING

von Hanxiong Bo
University of California, USA

Die Jury des ARTE-Kurzfilmpreises:
Mit starken Bildern, aber einem subtilen Narrativ, nimmt uns der Regisseur mit auf eine Reise in sein Heimatland. Konfrontiert mit der Realität und den Problemen der chinesischen Gesellschaft, schafft er es in kurzer Zeit, sich auf die Geschichte einer Familie einzulassen, deren Leid darzustellen und dabei noch brillant den Graben zwischen Tradition und Moderne aufzuzeigen.
Wir gratulieren Regisseur Hanxiong Bo zu seinem außergewöhnlichen Film DRIFTING und verleihen ihm den ARTE-Kurzfilmpreis 2020.

 

Beste Produktion:
Panther-Preis

Für Studenten einer Hochschule im europäischen Raum
Stifter: Panther GmbH
Preis: Dolly-Ausstattung für vier Wochen im Wert von 5.000 €


L'HOMME JETÉE

von Loïc Hobi (Regie & Produktion)
École de la Cité, Frankreich

Die Festival-Jury:
Wir freuen uns, den Preis für die beste Produktion an L’HOMME JETÉE verleihen zu dürfen.
Ein Film über die Liebe, der eine ganz besondere und ausdrucksstarke Umgebung portraitiert. Wir gehen auf eine wunderschöne visuelle Reise, die die emotionale Tiefe der Geschichte perfekt zum Ausdruck bringt: unendlich viele Blautöne färben das Bild, die Gesichter der beiden einsamen Männer wirken sinnlich im sanften Licht. Die Wellen der See im Bild bewegen sich auch durch die Geschichte und wühlen die Gefühle der Zuschauer auf, solange bis ihre Herzen in tausend Stücke zerbrechen. Am Schluss können wir mitfühlen mit diesem verliebten Dockarbeiter, der von seinem Geliebten verlassen wurde.

 

Prix Interculturel

Stifter: Interfilm Akademie München
Preis: 2.000 €

Die Interfilm-Jury bestand 2020 aus Pfarrer Eckart Bruchner, Alice Gadbled und Franz Indra.

FOR EUNICE

von Jaan Stevens
RITCS School of Arts, Belgien

Die Interfilm-Jury:
Für Eunice. Das klingt wie ein Geschenk. Ein Geschenk an dieses starke und anrührende Mädchen namens Eunice, das wir in diesem schönen und aufrichtigen Dokumentarfilm beobachten und dabei entdecken, wie das Leben für eine schwarze, übergewichtige Frau in einem fremden Land bereits ist und sein wird. Wir erleben die Grausamkeit zwischen Kindern, angetrieben von bereits bestehenden Vorurteilen. Wir lachen und leiden mit Eunice, dank der feinfühligen und vertrauenerweckenden Regie von Jaan Stevens. Ohne es direkt auszusprechen verbündet uns dieser Kurzfilm, fragt unsere Gesellschaft, warum wir die nächste Generation unter etwas leiden lassen, von dem wir wissen, dass es gestoppt werden sollte.

 

SPECIAL MENTION

DRIFTING

von Hanxiong Bo
University of California, USA

Die Interfilm-Jury:
Während Chinas Ein-Kind-Politik wird Yan von seinen Eltern als Mädchen aufgezogen, um ihn nach außen hin als seine ältere Schwester ausgeben zu können. Als junger Erwachsener muß er gegen die konservativen Vorstellungen seiner Familie um seine Identität kämpfen. Zurückhaltende Inszenierung, feines Schauspiel und Dialoge sowie eine ausgezeichnete Kameraarbeit führen die Auswirkungen der altbekannten Maßnahme auf die Menschen in universeller Art und Weise vor Augen.

 

Originellster Film:
Wolfgang-Längsfeld-Preis

Stifter: Freundeskreis-Wolfgang-Längsfeld e.V.
Preis: 3.000 €




THE DRAGON WITH TWO HEADS

von Páris Cannes
INSAS, Institut National Supérieur des Arts du Spectacle et techniques de diffusion, Belgien

Die Jury des Wolfgang-Längsfeld-Preises:
Der Film beschäftigt sich mit einem besonders wichtigen Thema: der Homophobie in Brasilien. Aber ebenso wesentlich ist, dass er es vermittelt, indem er eine kleine, einfache Geschichte erzählt – eine menschliche Geschichte. Schon in der ersten Einstellung kann man seine kreative, überraschende und kompromisslose Art zu Denken erkennen, die so anders ist, als in der herkömmlichen Filmsprache. Eine absurde Situation entlarvt die trostlose Realität; aber, anstatt die Zuschauer auszuschließen, erzeugen die bunten, dynamischen Bilder eine unbeschwerte, einladende Stimmung. Dieser Kontrast zeigt die faszinierende, einzigartige Perspektive des Filmemachers und erreicht, dass die politische Aussage unaufdringlich aus dem Plot hervorgeht. Dieser mutige, fantasievolle Regisseur gibt wirklich alles, sowohl visuell als auch narrativ, und wir wollen diese Art des Kinos fördern.

 

Publikumspreis

Stifter: Freundeskreis FILMFEST MÜNCHEN
Preis: € 1.500

THE BEST ORCHESTRA IN THE WORLD

von Henning Backhaus
Filmakademie Wien, Österreich

 

Special Mention


FILIPIÑANA

von Rafael Manuel Mendoza
London Film School, Großbritannien

Die Festival-Jury:
Wir möchten für FILIPIÑANA eine Special Mention aussprechen – für seine Originalität, den ungewöhnlichen Tonfall und die unverwechselbare Bildsprache. Indem die Filmemacher Symmetrie und Wiederholung in der eigentümlichen Welt des Golfplatzes herausgearbeitet haben, haben sie es geschafft, ein starkes Gefühl der Jenseitigkeit, des Unbehagens und der Isolation zu erzeugen. Der dynamische und innovative Einsatz von Musik und eine klar strukturierte, markante Kameraarbeit machen diese Arbeit zu einer, die heraussticht.

 

Climate Clips Award

Stifter: Nagelschneider Stiftung
Preis: 1. Platz - 5.000 €, 2. Platz - 3.000 €, 3. Platz - 1.000 €, Publikumspreis - 1.000 €


1. Platz: THE CARFUCKERS
von Josia Brezing
Filmakademie Baden-Württemberg, Deutschland

Die Climate-Clips-Jury:
Ausgerechnet im Rotlichtmilieu wirbt diese Satire in deftigen Worten für den Umstieg aufs Fahrrad — „Ride a bike, fucker!“ — mit harten Fakten aus der Verkehrsstatistik. Im Stil eines Thrillers beginnend nutzt der Clip im Jargon ironisch das Szenario zum Verweis auf Automissbrauch und den „climate change“. Für die gelungene Umsetzung des an uns Alle gerichteten Appells zur Vernunft beglückwünscht die Jury Regisseur und Team zum 1. Preis des originellen Plots.

2. Platz: RELICS
von Yonathan Dumosch und Rotem Ezra
Sapir College, Israel

Die Climate-Clips-Jury:
Eine zauberhafte Animation entführt uns in die Meerestiefe des Ozeans mit einem einsamen Taucher, der sich um verletzte Tiere ihres bedrohten Lebensraumes kümmert. Einen gefundenen Hirsch aus Plastik, trauriges Relikt einer Zivilisation, die nur Schmutz und Müll täglich in die Meere spült, nimmt er für sein Aquarium in trister Unterkunft mit. Die farbenfrohe Unterwasserwelt kontrastiert mit der grauen Großstadtsilhouette einer Oberwelt. Die Jury vergibt den 2. Preis an eine geglückte Animation mit hervorragendem Sound und Originalmusik.

3. Platz: SAFE WATER
von Mario Dahl
Filmakademie Baden-Württemberg, Deutschland

Die Climate-Clips-Jury:
Eine fiktionale Szene zeigt ein kleines Mädchen auf einem Sprungturm bereit zum Absprung in das — wie sich zeigt — Nichts: ein nacktes leeres Schwimmbecken. Das Motto ist so klar wie evident: „No water, no future.“ Das ist in seiner Klarheit kongruent ins Bild gesetzt, zentral, frontal mit Unter-, An- und Aufsicht, in opaken Farbtönen gedreht. In dieser Bündigkeit in kürzester Zeit gedreht verleiht die Jury den 3. Preis an einen überzeugenden Kommentar zu einer der letzten Ressourcen im Klimawandel.

Publikumspreis: THE CARFUCKERS
von Josia Brezing
Filmakademie Baden-Württemberg, Deutschland