Pressemitteilungen

Samstag, 24.11.2018

Mission Film: Possible – Das sind die Gewinner 2018

 

• Der Hauptpreis des 38. FILMSCHOOLFEST MUNICH geht an die Komödie “Excuse Me, I’m Looking for the Ping-Pong Room and My Girlfriend“ von Bernhard Wenger (Filmakademie Wien).

• Insgesamt wurden dreizehn Preise verliehen mit einem Preisgeld von 56.500 Euro

 

Am Samstag, den 24. November wurden die Preise des 38. FILMSCHOOLFEST MUNICH in der HFF - Hochschule für Fernsehen und Film München verliehen. Eine Woche lang konnte man zuvor im Filmmuseum München die besten studentischen Kurzfilme aus aller Welt sehen – 46 an der Zahl aus 19 Ländern. Die Festivaljury und weitere Jurys der Preisstifter konnten aus 30 Spielfilmen, 8 Dokumentar-, 5 Animations- und 3 Experimentalfilmen ihre Sieger küren und die kommen 2018 aus zehn verschiedenen Ländern. 13 Preise gab es zu gewinnen und zusammen sind die Preisträger nun 56.500 Euro reicher.

"Wir haben viele Filme gesehen. Und wir haben viele, viele Filme von herausragender Qualität gesehen,“ so die Festivaljury. „Wir waren damit glücklich und wir waren unglücklich damit. Warum unglücklich? Weil wir viel weniger Preise hatten als herausragende Filme.“ Das mag angesichts einer Fülle von zwölf Preisen überraschen, aber bei einem hervorragend von der Auswahljury ausgesuchten Programm von 46 Perlen auch wieder nicht. Doch Entscheidungen mussten getroffen werden. Hier sind sie:

“Excuse Me, I’m Looking for the Ping-Pong Room and My Girlfriend“ von Bernhard Wenger (Filmakademie Wien) wurde als bester Film mit dem VFF Young Talent Award ausgezeichnet. Der Preis wird von der Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten (VFF) gestiftet und ist mit 10.000 Euro dotiert. In diesem Kurzfilm geht es um ein junges Paar, das sich ein paar Tage Wellness gönnt. Doch es läuft nicht so gut zwischen den beiden. Nach einem Streit verschwindet Ida und Aron ist sich bald nicht mehr sicher, ob er nach ihr oder sich selbst sucht. In der bizarren Welt des alpinen Wellness-Resorts beginnt ein neues Kapitel in seinem Leben. Seit Oktober 2014 studiert Bernhard Wenger Regie und Produktion an der Filmakademie Wien. Als freischaffender Regisseur, Drehbuchautor und Produzent kreiert er Musikvideos, Werbefilme und Kurzfilme, die bereits auf vielen Filmfestivals liefen und ihm schon mehr als 70 internationale Filmpreise einbrachten. 2015 wurde er mit dem Förderpreis für Kunst und Kultur der Stadt Salzburg ausgezeichnet. Die Jury sagt: „Wir waren fasziniert von dieser ungewöhnlichen Reise der Selbstfindung eines sehr inaktiven Antihelden.“ Sie lobt ausdrücklich die Kameraarbeit, das Setdesign und das Drehbuch und schließt mit den Worten: „Diese kollektive Leistung, die in allen Bereichen herausragend ist und von einem talentierten Regisseur geleitet wird, verdient größtes Lob.“

Die Festival-Jury des diesjährigen Filmschoolfests: Asja Krsmanović, Tice Oakfiled, Philip Gröning, Antonis Papadopoulos und Sinje Köhler

Die Festivaljury vergab neben dem Hauptpreis auch den vom Münchner Traditionsunternehmen ARRI gestifteten ARRI-Preis für den Besten Dokumentarfilm (dotiert mit Sachleistungen im Wert von 4.000 Euro), mit dem „Son of Wind“ von David Noblet ausgezeichnet wird. Noblet studiert am National Institute of Performing Arts (INSAS) in Belgien und seine Dokumentation begleitet den kleinen Panpan, der in Peking beim Großvater lebt, während der Vater im fernen Frankreich Geld verdient.

Der Student Camera Award (2.000 Euro von Film & TV Kameramann) für die beste Bildgestaltung geht an DP Cem Demirer für den Film „End of Season“ (Regie: Zhannat Alshanova, London Film School). Wie Demirer uns mit Farben, Schattierungen und Kamerabewegungen nicht nur die Melancholie des Herbstes, sondern auch die Zwiespältigkeit seiner Hauptfigur spüren lässt, hat die Jury überzeugt.

Der mit insgesamt 2.500 Euro dotierte zweiB-Award für die beste Animation geht ebenfalls nach Großbritannien an den Film „Facing it“ von Sam Gainsborough (National Film and Television School Beaconsfield). Sein Protagonist Sean ist aus Knetmasse geformt, einem Material, das sich ständig verändert und es nie schafft, die ursprüngliche Form anzunehmen, so wie die Hauptfigur ständig durch die Einflüsse anderer verändert wird.

Der Luggi-Waldleitner-Preis für das beste Drehbuch (3.000 Euro) geht an Michal Ďuriš, der das Drehbuch für „A Warm Comedy about Depression, Madness and Unfulfilled Dreams“ zusammen mit Sophia Boyd und Emil Smoliga schrieb und anschließend auch Regie führte (Academy of Performing Arts, Bratislava). „In nur 20 Minuten schaffen es die Autoren, vollkommen abgerundete Charaktere zu erschaffen, die uns subtil von der Zerbrechlichkeit ihres Familienlebens erzählen.“ Die Jury schreibt weiter, dass es für sie offensichtlich sei, „dass das Kollektiv, das an diesem Drehbuch gearbeitet hat, seine Figuren versteht und mit ihnen fühlt. Die Wahrheit und Kreativität, die in diesem Drehbuch steckt, ist bemerkenswert, und die Liebe, die die Geschichte durchdringt, ist fast greifbar, so dass sie uns mit großer Hoffnung zurücklässt.“

Der Panther-Preis für die beste Produktion eines Films einer europäischen Hochschule geht nach Finnland und ist mit Sachleistungen im Wert von 5.000 Euro dotiert. Hannu-Pekka Peltomaa entführt uns in seiner rabenschwarzen Komödie „Rose Garden“ in ein trostloses Altersheim, aus dem drei ungleiche Freunde ausbrechen wollen. Die Jury sagt: „Die Kernbotschaft der Träume unserer heroischen Gruppe geht weit über eine schlichte Charakterisierung der älteren Menschen hinaus und kritisiert in aller Schärfe eine Welt, in der Kriminelle besser behandelt werden als ältere Menschen.“

Jury-Präsident Philip Gröning vergab eine Special Mention of the Jury President an den Film “Landing” von Wong Kam (Hong Kong Academy for Performing Arts) und würdigt damit einen Film, der einer Hauptfigur viel Liebe entgegen bringt, die im wirklichen Leben wohl eher gemieden und verachtet würde. Gröning lobt die mutige Mischung aus inneren Bildern und einer präzisen Beobachtung der Außenwelt.

ARTE-Zuschauer dürfen sich auf „Schoolyard Blues“ freuen, der 2018 den ARTE-Kurzfilmpreis gewonnen hat. Es ist der Abschlussfilm der jungen schwedischen Regisseurin Maria Eriksson Hecht und sie erzählt darin eine tief berührende Geschichte über zwei Brüder, in der der ältere Bruder den Jüngeren auf das Schulleben und das Leben an sich vorbereitet. Die ARTE-Jury stellt fest, dass das Thema der Gewalt unter Heranwachsenden leider große Aktualität hat und dass sich die beiden jungen exzellenten Hauptdarsteller nicht nur in das Herz des Zuschauers spielen, sondern dass dieses kurze Stück Kino sich auch gerne in einen langen Spielfilm verwandeln könnte. ARTE kauft den Kurzfilm für bis zu 6.000 Euro an.

Die Jury, die den mit 3.000 Euro dotierten Wolfgang-Längsfeld-Preis vergibt, macht sich regelmäßig auf die Suche nach dem originellsten Film im internationalen Wettbewerb und hat ihn 2018 in der belgischen Produktion „Simon cries“ von Sergio Guataquira Sarmiento gefunden. Sie schreibt: „Der hochoriginelle Kurzfilm überrascht mit einem Feuerwerk außergewöhnlicher Bilder, die in ihrer poetischen Leichtigkeit und fotografischen Brillanz direkt an das surreale Kino von Jean-Pierre Jeunet und Wes Anderson denken lassen. Aber der Regisseur und sein Team lassen die Fesseln ihrer Vorbilder hinter sich indem sie ihre eigene Bildsprache finden, der sie mit beeindruckender Stilsicherheit treu bleiben – vom komischen und originellen bis hin zum zutiefst romantischen, aber keineswegs kitschigen Ende.

Der Prix Interculturel (1.500 Euro) geht an „Siren“ von Zara Dwinger (Netherlands Film Academy). Die Jury lobt, dass „Siren“ subtil die Identitätssuche eines jungen Menschen portraitiert und dabei seinen Figuren viel Freiraum lässt und schreibt weiter: „Der Film besticht durch seine atmosphärische Dichte und die vielschichtigen Charaktere, die durch emotional einnehmende Schauspieler verkörpert werden.Die Regisseurin behandelt ein gesellschaftlich wichtiges Thema, sie ergreift Partei für diejenigen, die auf der Suche nach ihrer Geschlechtszugehörigkeit sind und erzählt von der Akzeptanz sich selbst und anderen gegenüber.“

Den ersten Platz bei den Climate Clips Awards (5.000 Euro) gewinnen Veronika Hafner und Rina Zimmering von der HFF München mit ihrem Film „The Meeting“, der selbstironisch die Green-Production-Bemühungen der Filmindustrie beleuchtet. Den ersten Platz der Hofbräu Trophy (5.000 Euro) für die beste Bier-Werbung belegte der Clip „The Beerboard“, in dem uns die drei jungen Münchner Filmemacher Julius Montgomerie Luger, Clemens Friese und Mike Schneider zeigen, was man mit einer Bierbank machen kann, bevor man sich draufsetzt. Die weiteren Gewinner der beiden Sonderwettbewerbe: filmschoolfest-munich.de.(jeweils 3.000 Euro und 1.000 Euro für den Zweit- und Drittplatzierten).

Last but not least haben auch die Zuschauer*innen beim Publikumspreis zahlreich abgestimmt und viele der gezeigten Filme sehr positiv bewertet. Am besten abgeschnitten in der Gunst des Publikums hat der israelische Film FLOOD von Oshri Zeituni (Minshar School for Art Tel Aviv), ein berührendes Drama über die 17-jährige Osher, die zwar ihre Mutter ins Frauenhaus bringen kann, aber selbst zum gewalttätigen Vater zurückkehrt, denn da sind ja noch die beiden jüngeren Brüder. Der Publikumspreis wird vom Freundeskreis Filmfest München e.V. unterstützt, der den Preis mit 1.500 Euro dotiert.