Preisträger 2015

gruppe
Bilder von der Preisverleihung im Foto-Tagebuch

Bester Film:
VFF Young Talent Award

Stifter: VFF Verwertungsgesellschaft der Film- und Fernsehproduzenten mbH
Preis: 7.500 €

Gewinner: THE LITTLE DEATH
von Simon Tillaas
The Norwegian Filmschool
Trailer

the little death
Simon Tillaas und Prof. Dr. Norbert P. Flechsig, Aufsichtsratsvorsitzender der VFF


Die Festival Jury: THE LITTLE DEATH ist eine wundervoll erzählte Geschichte über das Heranwachsen, den Verlust der Kindheit, Liebe, Kummer, Freundschaft und die Wunder des Erwachsenseins. Sie ist poetisch, voller Liebe für ihre Charaktere, präzise, nicht zu lang und nicht zu kurz - ein perfektes kleines Filmjuwel. Wir leben und fühlen mit der 12-jährigen Julia und ihrem Vater und am Ende des Films sind wir voller Hoffnung für die Zukunft der nächsten Generation. Und so geht es der Jury auch mit Regisseur Simon Tillaas: Sein Film ist mehr als vielversprechend und wir freuen uns auf viele weitere in der Zukunft.

 

Bestes Drehbuch:
Luggi Waldleitner-Preis

Stifter: Familie Waldleitner
Preis: 3.000 €

Gewinner: EMERGENCY EXIT
von Vladimir Tagić
Faculty of Dramatic Arts Belgrad
Trailer

emergency exit
Prof. Janko Baljak nimmt den Drehbuchpreis von Michael Waldleitner stellvertretend für Vladimir Tagić entgegen

Die Festival-Jury: Am Anfang haben wir gelacht. Und waren dankbar dafür. Lachen heißt loslassen. Auch wenn es, wie in EMERGENCY EXIT, erst mal nur um groteske Bürokratie rund um einen gestohlenen Verbandskasten geht. Ist es gut geschrieben, kommen Lachmuskeln und Gefühle in Bewegung. Gute Komödien sind immer auch Tragödien - eine Binsenweisheit, aber schwer umzusetzen. Vladimir Tagić hat ein originelles Drehbuch verfasst. Indem er simple Dialoge und Aktionen nur leicht außerhalb des erwartbaren sozialen Rahmens verortet, gelingt es ihm die alltägliche Gewalt unter Menschen zu visualisieren. Einfach. Brillant. Bleibende Bilder und Worte für ein unsichtbares, schwer greifbares Gefühl von Verrohung und Ignoranz in Jedermanns Alltag. Jenseits politischer Krisen oder terroristischer Bedrohungen. Spätestens beim „herzlichen“ Empfangs-Monolog der Ehefrau an der Haustür wird aus dem serbischen Absurdistan ein universelles. Und wir lachen weiter und lauter im Strudel dieses leise anarchistischen Teufelskreises, in dem Rauchen verboten ist, ein Mann doch lieber auf sein Hörgerät verzichtet und für einen anderen der Einkaufsbummel zu einem einzigen Schlag in Gesicht wird. Kurz vor Schluss lachen wir am befreitesten - haben richtig losgelassen, sind wunderbar offen für den Moment, in dem uns das Lachen im Halse stecken bleibt. Zu spät für den Notausgang.  

 

Bester Dokumentarfilm:
ARRI-Award

Stifter: Arnold & Richter Cine Technik
Preis: Sachleistungen-Rental ARRI im Wert von 4.000 €

Gewinner: CONVERSATION OVER THE FENCE
von Lisa Gerig
Zürcher Hochschule der Künste

zaungespräche
Lisa Gerig

Die Festival-Jury: Die Gewinnerin dieses Preises ist nicht nur Filmemacherin, sondern steht auch für Menschlichkeit ein. Ihr Anliegen denen zu helfen, die vom Leben weniger begünstigt sind, inspirierte einen Film, der eine unerzählte Geschichte in der derzeitigen Immigrationsdebatte aufdeckt. Die Augen der Filmemacherin führen den Blick der Zuschauer und zeigen ihnen die Ereignisse, wie die Regisseurin sie erlebt. Sie portraitiert die Geschichten und die Not der Protagonisten, die selbst nicht zu sehen sind. Der Zuschauer ist aufgefordert, die Filmemacherin auf ihren täglichen Pilgerreisen zu begleiten, auszuhalten, was sie aushält, zu erfahren, was sie erfährt und zu verstehen, was sie entdeckt. In einem wertfreien Ton klagt sie niemanden an, zwingt niemandem ihre Meinung auf. Sie bietet einfach Fakten, um die verzweifelte Lage aufzuzeigen, in der sich jene befinden, die ein Land erreicht haben, das für Neutralität, Sicherheit und Freiheit bekannt ist - ein Land, von dem jeder etwas Besseres erwarten würde. Die Zuschauer müssen sich ihr eigenes Urteil bilden. Subtil in der Form, aber mit einer kraftvollen Aussage deckt dieser kunstfertige Dokumentarfilm mehr auf, als die Medien normalerweise preisgeben. Indem er die Geschichten einer Handvoll von Personen erzählt, spricht er für all jene, die während einer wachsenden Krise, die nicht ignoriert werden kann, um ein neues Leben kämpfen.  

 

Beste Kamera:
Student Camera Award

Für ein/e Student/in einer deutschsprachigen Hochschule (D, AU, CH)
Stifter: Film & TV Kameramann
Preis: 1.000 €

Gewinner: WADA' (PREDICTION)
von Khaled Mzher
Kamera: Alexander Hasskerl
Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin

wada
Regisseur Khaled Mzher nimmt den Preis stellvertretend für Kameramann Alexander Hasskerl entgegen

Die Festival-Jury: Kameraarbeit ist noch kraftvoller, wenn sie nicht nach Perfektion strebt oder nur zur Illustration des Drehbuchs dient. Bilder können uns an Orte führen, die Worte nicht erreichen. In WADA‘ fehlen dem Protagonisten die Worte, um seine Gefühle auszudrücken. Also nähert sich der Kameramann diesen Momenten mit feinfühligen Aufnahmen, die Emotionen nicht erzwingen, sondern ihnen Zeit geben, sich zu entwickeln. Er zeigt das heutige Berlin, aber aus einer bisher unbekannten Perspektive. Durch jedes Bild fühlt man, dass Berlin, wie die Hauptfigur, von der Schönheit und Gewalt Syriens verfolgt werden.  

 

ARTE-Kurzfilmpreis

Stifter: arte Television
Preis: Ankauf eines Films bis max. 15 Minuten Länge und bis 6.000 €

Gewinner: FINGERTIPS
von Basile Vuillemin
Institut des Arts de Diffusion

fingertips
Basile Vuillemin

Die Jury des ARTE-Kurzfilmpreises (Barbara Häbe und Daniela Muck): Wir freuen uns, dem belgischen Regisseur Basile Vuillemin mit seinem Film FINGERTIPS („Du bout des doigts“) den ARTE Kurzfilmpreis überreichen zu dürfen. Mit viel Einfühlungsvermögen und Sensibilität wird die schreckliche Geschichte über den Verlust eines Kindes, das im Koma liegt, thematisiert. Der Regisseur überzeugt mit hervorragendem Schauspielerensemble und einer intensiven Inszenierung, die den Zuschauer tief im Herzen trifft. Ein Familiendrama, auf kleinstem Raum und universell erzählt. Das ist die hohe Kunst des Kurzfilms. Wir gratulieren herzlich.  

 

Beste Produktion:
Panther-Preis

Für Studenten einer Hochschule im europäischen Raum
Stifter: Panther GmbH
Preis: Dolly-Ausstattung für vier Wochen im Wert von 5.000 €

Gewinner: HERMAN THE GERMAN
von Michael Binz
Kunsthochschule für Medien Köln

herman the german
Produzentin Maike Drinhausen

Die Panther-Preis-Jury (Lydia Bittl, Andy Fitz, Christopher Schuller): Der Film amüsierte die Jury durch eine witzige Erzählweise. Immer wieder eingebaute Gags animieren den Zuschauer bis zum Ende weiter zu schauen, um zu sehen, was mit Herman los ist. Auffallend ist die ausgezeichnete Regie sowie eine gute Lichtgestaltung, was den Film sehr professionell wirken lässt. Die hervorragende Kameraarbeit und die Inszenierung unterstreichen das Gesamtbild und überzeugten so die Jury.  

 

Prix Interculturel für Verdienste um den interkulturellen Dialog

Stifter: Interfilm Akademie München
Preis: 5.000 €

Gewinner: DO YOU EVEN KNOW...
von Arthur Lecouturier
Institut des Arts de Diffusion
Trailer

do you even know
Arthur Lecouturier

Die Interfilm-Jury (Pfarrer Eckart Bruchner, Galina Antoschewskaja, Ileana Cosmovici, Dr. Peter Marinkovic): Nach dem plötzlichen Tod ihres Freunds schottet sich Alexandra komplett ab und versucht alles loszuwerden, was sie an ihn erinnern könnte – auch ihr ungeborenes Kind. Vor dem Abtreibungstermin bleiben noch sechs Tage, um die Entscheidung zu überdenken. Arthur Lecouturier thematisiert ein anthropologisches Grundproblem und eröffnet einen ethischen Diskurs, der in allen Kulturen relevant ist. Als Regisseur und Coautor gibt er Impulse ohne moralisch zu werten und einer Entscheidung vorzugreifen. Die Handlung überrascht immer wieder und ist für den Zuschauer nicht abschätzbar. Das Ende ist offen und fordert den Zuschauer heraus, selbst weiterzudenken und zumindest virtuell eine eigene Entscheidung zu treffen. Es gelingt ihm, in subtilen Bildern die Einsamkeit und Sprachlosigkeit, aber auch die allmähliche Entwicklung der Protagonistin einfühlsam und glaubwürdig darzustellen. Generationsübergreifend unterstützen sich zwei Frauen zunehmend aufgrund ihrer jeweiligen Verlusterfahrung, sodass sich die junge Frau dem Leben wieder zuwendet und entscheidungsfähig wird. Zutreffendes Casting sowie behutsames Spiel mit Licht und reduzierten Farben zeichnen den Film aus. Die jeweilige seelische Lage der Protagonistin spiegelt sich in unterschiedlichen Raumatmosphären wider. Dramaturgisch wird die Beziehung zwischen den beiden Frauen symbolhaft, unprätentiös, intim, aber nicht voyeuristisch entwickelt.

 

Originellster Film:
Wolfgang-Längsfeld-Preis

Stifter: Freundeskreis-Wolfgang-Längsfeld e.V.
Preis: 3.000 €

Gewinner: HERMAN THE GERMAN
von Michael Binz
Kunsthochschule für Medien Köln

herman the german
Produzentin Maike Drinhausen mit Jurorin und Vorjahresgewinnerin Zeng Zeng und Juror Matthias Kammermeier

Die Jury des Wolfgang-Längsfeld-Preises (Henriette Kaiser, Matthias Kammermeier, Zeng Zeng): Der Film hat sich durch seine unterhaltende und überraschende Erzählstruktur, seine unkonventionelle Machart, seine ironisch-sarkastische Sichtweise und - nicht zuletzt - auch durch eine professionelle Ausführung für die Jury als der Preisträger des Wolfgang Längsfeld Preises 2015 für den 'originellsten Film' herauskristallisiert. Herauszuheben sind dabei die Inszenierung und die schauspielerische Leistung, die in sich geschlossenen und sehr gut aufeinander abgestimmten Arbeiten von Szenenbild und Kamera, Inszenierung und Schnitt, sowie ein fein gezeichnetes Drehbuch, das im Verbund zu diesem überzeugenden Ergebnis geführt hat.  

 

Climate Clips Award

Stifter: Nagelschneider Stiftung
Preis: 1. Platz - 5.000 €, 2. Platz - 3.000 €, 3. Platz - 1.000 €

climate clips
Christian Ricken und Moritz Rautenberg (1. Preis für SWEATY SANTA), Jurorin Gisela Scola, Benjamin Leichtenstern (3. Preis für ANGIE BABY), Miguel Villares (2. Preis für MASTERPIECE) und Jurorin Brigitte Bruns

Gewinner: SWEATY SANTA
von Moritz Rautenberg & Christian Ricken
HFF München

Die Climate-Clips-Jury (Beatrice Scola, Gisela Scola, Brigitte Bruns): Ein Märchenbeginn: der Santa Claus überquert im Schlitten das Rund des Sternenhimmels. Aufgeregt erwarten Kinder in Amerika die Bescherung. Aber es steht ihnen eine ungewohnte Überraschung bevor. Der Clip spielt humorvoll und ironisch mit dem vertrauten Santa-Szenario in Anspielung auf den „global change“. Er fragt nach der Zukunft überkommener Gebräuche angesichts der bedrohlichen Erderwärmung. Die Jury überzeugen Einfall und pointierte Zuspitzung eines christlichen Brauches und dessen gewitzte Übersetzung für junge Zuschauer in weniger als einer Minute und gratuliert sehr herzlich.  

2. Platz: MASTERPIECE
von Miguel Villares
Miami AD School Madrid

Mit knappen Filmszenen von Kriegsverbrechen und Katastrophen warnt MASTERPIECE vor dem Untergang des Globus durch humanitäres Versagen, staatliches, wirtschaftliches und individuelles Selbstverschulden. Medial verbreitete Bilder lenken die Aufmerksamkeit auf Sensationen anstatt den Kampf gegen deren Ursachen in den Fokus zu rücken, die den Tod von Billionen von Menschen herbeiführen könnten. Die Jury bewundert wie hier in knappster Form die Bilder der täglichen Nachrichtenflut mit dem von Menschen verschuldeten Klimawandel verknüpft und dessen Auswirkungen im Text beschworen werden. Herzliche Gratulation!

3. Platz: ANGIE BABY
von Benjamin Leichtenstern
HFF München

Kanzlerin Angela Merkel und Präsident Barak Obama genießen auf einer Holzbank die malerische Alpenkulisse. Beiläufig streifen sie den nächsten Klimagipfel. Die kurze satirische Szene nimmt Bezug auf den G7 Gipfel auf Schloss Elmau 2015 und spielt auf die Kluft zwischen drängenden Problemen des Klimawandels und dem von den Staaten auf aufwendigen Gipfeln praktizierten „auf die Bank schieben“ an, deren ungeheurer personeller und finanzieller Aufwand global kaum Ergebnisse zeitigt. Die Jury begrüßt das Mittel der filmischen Satire wie Karikatur, die geeignet sind, den Widerspruch von Anlass und Inszenierung zu unterstreichen. Wir gratulieren!  

 

Hofbräu Trophy

Stifter: Staatliches Hofbräuhaus in München
Preis: 5.000 €

Gewinner: OUTER SPACE
von Moritz Rautenberg & Christian Ricken
HFF München

outer space
Christian Ricken und Moritz Rautenberg

Die Hofbräu-Jury: Wir wissen nicht, wie viele Menschen schon mal in einer Kneipe „close encounters of the third kind “ hatten. Ganz sicher passiert das aber gleich im diesjährigen Gewinnerfilm der Hofbräu-Trophy 2015, dem Kurzfilm „Outer Space“ von Moritz Rautenberg und Christian Ricken. „May the force be with us!“ Es erscheint uns „highly illogical, aber doch „fascinating“, dass sich die technisch absolut überlegenen Aliens zur Erforschung der Spezies Mensch eine hinterwäldlerische Kneipe als „undiscovered country“ aussuchen. Auch das Hochbeamen eines Mannes mit Bier am Tresen erscheint auf den ersten Blick rein zufällig. Wäre da nicht das Bier: We are the Hofbräu Beer – Resistance is futile!“ Und so wird auch der Kneipengast zur Verwunderung aller sofort wieder zurückgebeamt. Er schaut zwar etwas verwirrt aus, ist aber ansonsten körperlich völlig unversehrt. Nur eine Sache fehlt eben: Das Hofbräu-Bier in seinem Glas. Das wurde scheinbar assimiliert. Und auch die anderen Gläser werden sogleich eines nach dem anderen leer-gebeamt. Wir wissen nicht, wer die Aliens sind, woher sie kommen und was sie mit unserem Bier vorhaben. Deshalb „hailing frequencies are open“! „This is Hofbräu München speaking: Für unser Bier braucht Ihr eigentlich eine Lizenz! Doch „the needs of the many outweight the needs of the few“. Und schließlich haben die Aliens ja die beste Wahl getroffen. Als intergalaktische Markenbotschafter rufen wir ihnen deshalb zu: „Live long and prosper ! Prosit!“